{"id":3525,"date":"2020-01-04T12:59:57","date_gmt":"2020-01-04T11:59:57","guid":{"rendered":"https:\/\/zoemobil.de\/?p=3525"},"modified":"2020-02-02T13:46:28","modified_gmt":"2020-02-02T12:46:28","slug":"party-talk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zoemobil.de\/?p=3525","title":{"rendered":"Party Talk &#8222;E-Mobilit\u00e4t&#8220;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1414\" aria-describedby=\"caption-attachment-1414\" style=\"width: 672px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/zoemobil.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Tapetenwechsel-672x504.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/zoemobil.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Tapetenwechsel-672x504.jpg\" alt=\"\" width=\"672\" height=\"504\" class=\"size-full wp-image-1414\" srcset=\"https:\/\/zoemobil.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Tapetenwechsel-672x504.jpg 672w, https:\/\/zoemobil.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Tapetenwechsel-672x504-300x225.jpg 300w, https:\/\/zoemobil.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Tapetenwechsel-672x504-268x200.jpg 268w\" sizes=\"(max-width: 672px) 100vw, 672px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1414\" class=\"wp-caption-text\">Benzin oder Strom?<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wo finden bei einer Feier \u00fcblicherweise die interessantesten Unterhaltungen statt? Na klar, in der K\u00fcche! Man kennt das ja: Zwischen Buffet und dem Esstisch bilden sich Gr\u00fcppchen, die ein Thema gefunden haben und sich eine Weile lang dar\u00fcber austauschen. Hin und wieder kommt jemand dazu oder schlie\u00dft sich wieder einem anderen Gespr\u00e4ch an. So war es auch k\u00fcrzlich: F\u00fcnf Freunde an einem Tisch. Irgendwann fiel dann eine Bemerkung \u00fcber Elektroautos &#8211; und damit begann eine lebhafte Diskussion \u00fcber das Thema Mobilit\u00e4t und Klima&#8230;<\/p>\n<p>Die Meinungen waren dabei recht unterschiedlich, obwohl wir eine ganze Menge Erfahrungen, Interessen und Vorlieben teilen. Wir sind nicht zu einem abschlie\u00dfenden Ergebnis oder einer einheitlichen Sicht der Dinge gekommen, was ich pers\u00f6nlich auch nicht f\u00fcr n\u00f6tig halte. Aber es war ein interessantes Gespr\u00e4ch und ist, wie ich finde, eine gute Gelegenheit, davon an dieser Stelle zu berichten.<\/p>\n<h3>Gemeinsamkeiten und Unterschiede<\/h3>\n<p>Fahrzeuge spielten und spielen bei niemandem am Tisch eine nebens\u00e4chliche Rolle. Dem einen war und ist ein Fahrzeug zwar eher ein individuelles Mittel zur Fortbewegung, dem oder der anderen aber auch ein Ding, dem schon an sich positive Gef\u00fchle entgegengebracht werden und das man einfach auch aufgrund seiner Eigenschaften sch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Allen gemein ist jedoch auch, dass wir nicht nur fahren um anzukommen, sondern die Nutzung der Fahrzeuge emotional sehr stark mit dem Ziel unserer Fahrt oder der Gegend, durch die wir fahren, verbunden ist. Wir steuern alle gerne selbst ein Fahrzeug. Es gibt uns Kontrolle \u00fcber den Ort, an dem wir sind und sein m\u00f6chten. Es macht uns Spa\u00df, Technik zu bedienen und ein Fahrzeug zu nutzen. Aber wir sind alle auch kritisch gegen\u00fcber unserer Wirkung auf die Umwelt und verhalten uns bewusst so, dass wir keinen unmittelbaren Schaden in der Natur hinterlassen, die wir sehr sch\u00e4tzen und gerne auch geniessen.<\/p>\n<p>Das will ich nur deshalb erw\u00e4hnen und verstanden wissen, weil ich diese Einstellungen f\u00fcr relativ normal halte. Nur ein kleiner Teil der Menschen ist nach meiner Erfahrung so gestrickt, dass ihm oder ihr v\u00f6llig egal ist, welche Auswirkungen das eigene Handeln hat. Allerdings sind einige bequemer als andere, egoistischer und beurteilen weniger kritisch, was sie verursachen. \u201eIst doch egal, wenn die Erde untergeht. Hauptsache, mir geht\u2019s gut.\u201c<\/p>\n<p>Andere wiederum, nehmen jede geeignete Tatsache zum Anlass, damit die Notwendigkeit eines kompletten Verzichtes auf am besten alles zu begr\u00fcnden. Besonders jede Handlungsweise, die den Anschein des pers\u00f6nlichem Wohlbefindens tr\u00e4gt, wird auf das Sch\u00e4rfste bek\u00e4mpft. Was angenehm ist, kann keinesfalls gut sein. <\/p>\n<p>Ich halte unsere kleine Gruppe jedoch f\u00fcr realistisch, aufgeschlossen, kritikf\u00e4hig und an einer vern\u00fcnftigen pers\u00f6nlichen Handlungsweise interessiert. Niemand von uns will seiner Umgebung Schaden zuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Dennoch spielen neben den Fakten, die wir alle kennen, nat\u00fcrlich auch unserer Glaube an die eine oder andere Schlussfolgerung eine gro\u00dfe Rolle. Parallel zu den Tatsachen existieren selbstverst\u00e4ndlich Meinungen und \u00dcberzeugungen, die sich auf Vermutungen und Bewertungen gr\u00fcnden. Und daraus ergaben sich in unserem Gespr\u00e4ch verschiedene Fragen.<\/p>\n<h3>\u201eSind Elektroautos insgesamt nicht noch viel sch\u00e4dlicher als Verbrenner?\u201c<\/h3>\n<p>Die CO2-Bilanz der Fahrzeuge inklusive ihrer Herstellung und Entsorgung sowie dem Energieverbrauch f\u00fcr die Benutzung ist inzwischen in verschiedenen Studien untersucht worden. Am meisten Eindruck hat dabei allgemein die Tatsache hinterlassen, dass die Herstellung der gro\u00dfen Fahrakkus eine gro\u00dfe Menge Energie ben\u00f6tigt. Und so kommen die Interpreten einiger Studien zu dem Schluss, dass sich Elektroautos insgesamt \u201enicht rechnen\u201c. Erst nach einer l\u00e4ngeren Nutzung hat ein Elektroauto durch die Einsparung beim Fahren den CO2-Aussto\u00df bei der Produktion wieder ausgeglichen. Ergo: Der Diesel ist die Rettung des Klimas.<\/p>\n<p>Diese Argumentation verschweigt jedoch, dass es erst durch die Verwendung des Elektromotors als Antrieb \u00fcberhaupt m\u00f6glich wird, Energie aus CO2-neutralen Quellen effizient zu nutzen. Will man in der Zukunft ohne fossile Energietr\u00e4ger auskommen, dann darf man logischerweise vor allem beim Fahren der Fahrzeuge Treibstoffe aus Erd\u00f6l nicht mehr verwenden.<\/p>\n<p>Es ist unbestritten, dass auch die Energie f\u00fcr Produktion und Entsorgung <strong>s\u00e4mtlicher<\/strong> Produkte langfristig aus CO2-neutralen Quellen stammen muss. Aber die heutige \u00fcberwiegend klimasch\u00e4dliche Stromerzeugung als Argument gegen die Einf\u00fchrung der E-Mobilit\u00e4t zu nutzen ist logisch falsch. Die E-Mobilit\u00e4t ist vielmehr die Schl\u00fcsseltechnologie zu einem Wechsel, der unseren Bedarf an Transportleistung mit der Wende zu erneuerbarer Energie verbindet und somit ohne wesentliche  Einschr\u00e4nkung unserer Lebensweise m\u00f6glich macht.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen nicht einfach so lange mit fossilen Energietr\u00e4gern arbeiten, bis sich die Stromproduktion quasi von allein auf \u201egr\u00fcn\u201c umgestellt hat, Es ist dagegen f\u00f6rderlich f\u00fcr die Energiewende und die gesellschaftlichen Anspr\u00fcche, wenn zunehmend sauberer Strom hergestellt wird und auch f\u00fcr den Verkehr im Ganzen genutzt werden kann. Daf\u00fcr werden Elektroautos heute schon gebraucht.<\/p>\n<h3>Kollateralsch\u00e4den<\/h3>\n<p>\u201eJa, aber was ist mit den Umweltsch\u00e4den und deren Auswirkung auf die jeweilige Bev\u00f6lkerung durch die F\u00f6rderung von Lithium und Kobalt?\u201c<\/p>\n<p>Das spricht eindeutig gegen die Verwendung von Akkus. Die findet man neben Elektroautos \u00fcbrigens milliardenfach auch in Mobiltelefonen, Pads, Notebooks und elektrischen Zahnb\u00fcrsten. Und es spricht deutlich daf\u00fcr, dass generell nicht nur nach anderen Stoffen f\u00fcr Akkus geforscht wird, sondern auch heute schon die Bedingungen f\u00fcr die F\u00f6rderung und das Recycling der Rohstoffe optimiert werden.<\/p>\n<p>Das kann allerdings nur die Politik wirksam steuern &#8211; und das Volk sollte es von ihr fordern. \u00dcberl\u00e4sst man stattdessen diesen Aspekt allein der Wirtschaft, dann wird, ja muss sie den preisg\u00fcnstigsten Weg gehen. Und der ist aktuell eine Rohstoffgewinnung unter m\u00f6glichst kostensparenden &#8211; also meistens sch\u00e4dlichen &#8211; Bedingungen f\u00fcr die Umwelt, die Minenarbeiter und die Bev\u00f6lkerung der Ursprungsgebiete.<\/p>\n<p>Inzwischen kontrollieren die E-Autohersteller aber schon aus Imagegr\u00fcnden mehr und mehr Ihre Lieferkette bez\u00fcglich der Produktionsbedingungen und reduzieren insbesondere die Verwendung von Kobalt. Aber dazu m\u00fcssen halt ebenfalls politische Steuerungsma\u00dfnahmen kommen, die die R\u00fcckgewinnung von Lithium auch aus den vielen Milliarden mobilen Ger\u00e4ten einschlie\u00dft. Einen 600kg-Akku aus einem Auto zu recyceln, ist vermutlich einfacher, als das Lithium aus 20.000 Handys wiederzugewinnen. Es ist aber vom Prinzip her und auf lange Sicht nicht sinnvoll, einen Rohstoff zu verschwenden.<\/p>\n<p>Es ist also richtig, die negativen Folgen eines Wechsels auf E-Mobilit\u00e4t bereits heute zu nennen. Aber vor allem deshalb, damit man ihnen entgegenwirken kann, bevor sie ein zu gro\u00dfes Problem darstellen. Die Sch\u00e4den sind vermeidbar, wenn man sie nicht ignoriert und billigend in Kauf nimmt.<\/p>\n<p>Es ist aber auch hilfreich, die Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnisse im Auge zu behalten. F\u00fcr das Lithium, das in einem 64kWh-Akku steckt &#8211; und das ist eine Gr\u00f6\u00dfe, mit der ein Mittelklasseauto unter realen Bedingungen mindestens 400km weit fahren kann &#8211; werden aktuell etwa 3480 Liter Wasser verdunstet. Dieselbe Menge Wasser wird f\u00fcr die Produktion von \u201e250g Rindfleisch, zehn Avocados, 30 Tassen Kaffee oder einer halben Jeans\u201c ben\u00f6tigt (Quelle: Tagesspiegel online, 2. Dezember 2019, TARTLER, Jens <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/nachhaltigkeit-von-tesla-akkus-wenn-elf-avocados-umweltschaedlicher-als-eine-e-auto-batterie-sind\/25291904.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">\u201eNachhaltigkeit von Tesla-Akkus Wenn elf Avocados umweltsch\u00e4dlicher als eine E-Auto-Batterie sind\u201c<\/a>)<\/p>\n<p>Verzichtet man also auch nur ein einziges Mal auf zwei \u201eViertelpf\u00fcnder mit K\u00e4se\u201c, dann hat man bereits die Wassermenge eingespart, die f\u00fcr das Lithium im viele Jahre nutzbaren Autoakku ben\u00f6tigt wurde. Allerdings hilft dieser Verzicht nat\u00fcrlich nicht den Einwohnern in Bolivien, denen dann diese Menge nach der Gewinnung des Lithiums an Grundwasser fehlt. Es braucht demnach dort und jetzt ein zertifiziertes Verfahren, dass die Verdunstung unmittelbar wieder dem Grundwasser zuf\u00fchrt.<\/p>\n<h3>Je gr\u00f6\u00dfer, desto l\u00e4nger<\/h3>\n<p>Inzwischen sind Akku-Kapazit\u00e4ten erh\u00e4ltlich und \u00fcblich, die das betreffende Fahrzeugmodell um die 400km weit bringen bevor es erneut geladen werden muss. Das bedeutet eine h\u00f6here Lebensdauer des Akkus, denn die Gesamtanzahl von Kilometern, die vor dem Nachlassen der Kapazit\u00e4t gefahren werden kann, nimmt dadurch deutlich zu.<\/p>\n<p>Schon heute kann ein Akku 2000 sogenannte Ladezyklen \u00fcberstehen bis er so gealtert ist, dass man ihn ersetzen muss. Bei 400km Reichweite entspricht dies also einer Nutzung auf bis zu 800.000km. Selbst wenn der Akku schneller altert, weil er auf Langstreckenfahrten mit hoher Leistung geladen wird, h\u00e4lt er also deutlich l\u00e4nger, als f\u00fcr ein Autoleben notwendig ist. Die weitere Verwendung des Akkus als Pufferspeicher f\u00fcr Windkraft oder Photovoltaik bietet sich demnach an. Der Bedarf daf\u00fcr steigt sowieso und wird die CO2-Bilanz der Akkuzellen durch eine l\u00e4ngere Nutzung in einem \u201ezweiten Leben\u201c zunehmend verbessern.<\/p>\n<p>Durch den allgemeinen Fortschritt der Akku-Technologie werden nach Ansicht von Fachwissenschaftlern vielleicht schon 2025 bis zu 3000 Ladezyklen m\u00f6glich sein. Bei guter Pflege des Akkus &#8211; und die h\u00e4ngt auch von der Gestaltung der Ladesoftware ab. Diese entscheidet ja bei jedem Ladevorgang, welcher Ladestrom f\u00fcr den Akku in diesem Moment gerade gut ist.<\/p>\n<p>\u00dcber die Regelung dieses Wertes wird es \u00fcbrigens auch m\u00f6glich, an normalen Hausanschl\u00fcssen viele Elektroautos gleichzeitig zu laden, w\u00e4hrend sie zum Beispiel die ganze Nacht dort herumstehen. Das abstruse und v\u00f6llig unrealistische Bild, es w\u00fcrden alle Lichter ausgehen weil jeden Abend Millionen von Autos mit 350 Kilowatt geladen werden, ist demnach ein logischer Fehlschluss. <\/p>\n<p>Wenn alle Bewohner eines Mehrfamilienhauses mit Durchlauferhitzern morgens unter die Dusche gehen, wird eine h\u00f6here Spitzenlast erzeugt, als w\u00e4hrend der Nacht, wenn deren E-Autos in der Garage laden. Das Lademanagement hat die besonders nachts reichlich zur Verf\u00fcgung stehende Leistung verteilt und beim Aufwachen sind die Akkus aller ladenden Autos bereits voll.<\/p>\n<h3>\u201eIst Wasserstoff nicht viel besser?\u201c<\/h3>\n<p>Wasserstoff ist ein Energietr\u00e4ger, der bei der Stromerzeugung in einer Brennstoffzelle zu reinem Wasser oxidiert und auch recht flott nachgetankt werden kann. Nat\u00fcrlich ist das dort vorteilhaft, wo das Gewicht eine Rolle spielt oder am St\u00fcck m\u00f6glichst lange Strecken zur\u00fcckgelegt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Doch selbst wenn man zur Abspaltung von Wasserstoff aus Wasser billigen, \u00fcberfl\u00fcssigen Strom verwendet, muss das Gas zum Einsatz in einem Fahrzeug sehr stark komprimiert oder auf sehr niedrige Temperaturen gek\u00fchlt und verfl\u00fcssigt werden. Die Energie f\u00fcr jede dieser Ma\u00dfnahmen ist jedoch f\u00fcr die Antriebsleistung verloren. Zudem bleibt das komprimierte Gas wegen seiner kleinen Molek\u00fcle nicht lange im Druckbeh\u00e4lter sondern \u201esickert\u201c durch die Wandung. Brennstoffzellen und Elektromotoren bieten sich also vor allem dort an, wo gro\u00dfe Fahrzeuge schon bald nach dem Betanken am St\u00fcck lange Strecken zur\u00fccklegen sollen, etwa in der Luftfahrt, der Schifffahrt, in Bussen oder auch beim G\u00fcterverkehr auf der Stra\u00dfe und Schiene.<\/p>\n<p>Auch synthetische Kraftstoffe \u00fcbrigens, die man in den \u00fcblichen Diesel- oder Benzinmotoren verwenden k\u00f6nnte, haben das Problem der energieaufw\u00e4ndigen Herstellung. Erst wenn wirklich sehr viel \u00fcberfl\u00fcssiger Strom verf\u00fcgbar ist, der nicht gespeichert oder anders sinnvoll genutzt werden kann, dann w\u00e4ren solche L\u00f6sungen wieder denkbar. Aber warum sollte man dann noch darauf zur\u00fcckgreifen, wenn eine batterieelektrische Antriebsweise bzw. Speicherung bereits weitgehend realisiert ist?<\/p>\n<p>Somit ist in der n\u00e4heren Zukunft die Wirtschaftlichkeit eines Fahrakkus gegen\u00fcber Brennstoffzelle oder synthetischen Kraftstoffen einfach deutlich besser, weshalb man im Moment haupts\u00e4chlich diese Form der Elektromobilit\u00e4t entwickelt. Welche Technologie wir in 100 Jahren \u00fcberwiegend nutzen werden, h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab. Je sp\u00e4ter wir mit dem Umstieg beginnen, desto schwieriger wird es in jedem Fall. Bereits heute verbraucht der Verkehr in Deutschland j\u00e4hrlich etwa 800 Terawattstunden (TWh), das sind 800.000 Millionen Kilowattstunden. Durch die Verwendung des effizienteren Elektromotors sinkt dieser Bedarf auf 200 TWh. Fahrzeuge mit Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoffen w\u00fcrden etwa 1000 TWh ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Zum Vergleich: Ende 2019 ermittelte die RTWH Aachen in einer Studie zum Energieverbrauch der IT (Rechenzentren, Netze, Telekommunikation usw.) in Deutschland einen Wert von gut 13TWh in 2017 und einen j\u00e4hrlichen Anstieg von beinahe 4TWh. 2020 d\u00fcrften wir also in diesem Bereich schon an den 25TWh kratzen. Da w\u00e4re es schon nicht falsch, allein beim Verkehr zuk\u00fcnftig 600-800TWh einsparen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>\u201eSteuert die Industrie auf ein Desaster hin?\u201c<\/h3>\n<p>Die Industrie sicherlich nicht, denn sie plant weiter voraus, als wir es mitbekommen. Dennoch handelt es sich hier um die dritte Industrielle Revolution und die beiden letzten Umw\u00e4lzungen haben in vielen Bereichen selbstverst\u00e4ndlich ihre Spuren hinterlassen und Zweige der Industrie durch andere ersetzt.<\/p>\n<p>Immer hingen solche sogenannten disruptiven Ver\u00e4nderungen mit dem bevorzugten Energietr\u00e4ger dieser Zeit zusammen. Erst war es die Kohle, die den wirtschaftlichen Betrieb von Dampfmaschinen erm\u00f6glichte und zur Entstehung des Schienenverkehrs und der Dampfschifffahrt f\u00fchrte. Auf der Strecke blieb die Muskelkraft von Tieren und Menschen sowie die entsprechenden Fahrzeuge, deren Produktion und Dienstleistungen. Doch die Wirtschaft und die Gesellschaft profitierten insgesamt von dieser neuen Technologie und in den Industriel\u00e4ndern stieg der finanzielle Wohlstand.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes wurde mit der Erschlie\u00dfung von \u00d6l und Gas als Energietr\u00e4ger der Verbrennungsmotor bevorzugt eingesetzt. Ein Stra\u00dfennetz entstand und der Individualverkehr und der Handel nahmen drastisch zu. Bald verschwanden Dampfloks und Dampfschiffe. Die Industrie stellte sich auf die neuen M\u00f6glichkeiten ein. Und wieder profitierten  sie und die Gesellschaft von der neuen Technologie.<\/p>\n<p>Heute haben wir die entstandenen Sch\u00e4den deutlich vor Augen und m\u00fcssen uns f\u00fcr eine neue Technologie entscheiden. Es ist offensichtlich, dass sich wieder ein sprunghafter Erfolg der Wirtschaft und der gesellschaftlichen Entwicklung vollziehen wird. Nur bremsen nat\u00fcrlich diejenigen den Wechsel, die mit dem alten System noch immer gut verdienen.<\/p>\n<p>Ein Desaster kann es werden, wenn man als Unternehmen den \u201eTipping Point\u201c vers\u00e4umt, den Zeitpunkt, an dem eine Investition in die alte Technologie ein sicherer Verlust wird. Man spricht dabei von \u201egestrandeten Werten\u201c. Dieser Punkt ist nahe, denn die Vorr\u00e4te an \u00d6l und Gas werden immer schwieriger zug\u00e4nglich. So wird f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Gewinnung von Treibstoff aus \u00d6l zunehmend mehr Energie ben\u00f6tigt. In 5 bis 10 Jahren sind es zwei bis drei Liter \u00d6l die man f\u00fcr die F\u00f6rderung, die Raffinerie und den Transport braucht, um einen Liter Treibstoff an der Tankstelle nutzen zu k\u00f6nnen. Dadurch wird dessen Preis erheblich steigen und schon wesentlich fr\u00fcher kann der Tag kommen, an dem jeder investierte Dollar f\u00fcr diese Industrie verloren ist.<\/p>\n<p>Es ist also erkl\u00e4rlich, wieso \u00fcber die Medien und die Werbung der Eindruck geschaffen wird, dass die Elektromobilt\u00e4t nicht ein Teil der L\u00f6sung, sondern das eigentliche Problem ist. Dieses Narrativ n\u00fctzt der etablierten Industrie und diese l\u00e4sst keinen Anlass ungenutzt, jeden Aspekt der E-Mobilit\u00e4t schlecht zu reden und jeden auch noch so seltenen Unfall oder Makel eines Elektroautos zum beginnenden Untergang unserer Lebensweise zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Hinter dieser Meinungsmache verbergen sich jedoch Vorbereitungen f\u00fcr den Tag, an dem der Wechsel unausweichlich wird. L\u00e4ngst haben die Mineral\u00f6lgesellschaften den Fu\u00df der T\u00fcr, die sich durch die neue Technologie und das vorhandenen Kapital \u00f6ffnet. Sicherlich wird die Industrie, also das Geld, nicht untergehen, auch wenn einige Bereiche aufgegeben werden. Nach der Erreichung des Tipping Point ist das Rennen er\u00f6ffnet und das neue Ziel allgemein anerkannt.<\/p>\n<p>In unserer Tischrunde fahren \u00fcbrigens schon 40% der Gespr\u00e4chsteilnehmer \u00fcberwiegend elektrisch. Der Rest wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter folgen, auch wenn wir alle gerne weiterhin mal einen Verbrennungsmotor blubbern oder r\u00f6hren h\u00f6ren. Das bleibt aber eher etwas f\u00fcr die Nostalgie oder das Hobby, nicht unbedingt f\u00fcr den Alltag. Die Zukunft ist elektrisch, da bin ich sicher. Sie beginnt jetzt und es gilt, m\u00f6gliche Sch\u00e4den gleich von Anfang an zu erkennen und zu vermeiden. Aber weiter wie bisher geht es nicht und es ist keine Option, nichts zu tun. Das wei\u00df auch die Industrie und seit Jahresbeginn 2020 klingt die Werbung f\u00fcr Autos schon ganz anders und keine Sportveranstaltung kommt offenbar mehr ohne ein Elektroauto auf einem Podium aus. Ich habe das Gef\u00fchl, dass der Wechsel zum Elektroauto wesentlich n\u00e4her ist, als es die Masse derzeit glaubt und bin schon gespannt auf das n\u00e4chste Partygespr\u00e4ch&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo finden bei einer Feier \u00fcblicherweise die interessantesten Unterhaltungen statt? Na klar, in der K\u00fcche! Man kennt das ja: Zwischen Buffet und dem Esstisch bilden sich Gr\u00fcppchen, die ein Thema gefunden haben und sich eine Weile lang dar\u00fcber austauschen. 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