Quo vadis, ADAC?

Einer lädt  -  ein Anderer steht im Weg
Einer lädt –
ein Anderer steht im Weg
„Wohin willst du, mein Club?“ könnte man fragen. So ganz klar scheint das den Beteiligten nicht zu sein, was die Elektromobilität betrifft.

Begrüßenswerte Initiative

So bietet der ADAC seit 2011 kostenlose Lademöglichkeiten für Elektroautos an. Die Freischaltung der Ladesäulen erfolgt auf Nachfrage durch die Mitarbeiter in den jeweiligen Geschäftsstellen.

Dazu schreibt der ADAC unter der Überschrift „Tankstellennetz im ADAC-Verbund“:

Als Vorreiter in Sachen neuer Formen der Mobilität erweist sich der ADAC. Bereits vor zwei Jahren hat der ADAC in Kooperation mit RWE bundesweit an Geschäftsstellen oder Fahrsicherheitszentren insgesamt 35 Ladepunkte, sogenannte e-mobil Ladestationen, eröffnet. In November 2011 folgten neun Ladestationen auf den Autobahnen A1 und A2 zwischen Köln und Hamburg, die in Zusammenarbeit mit RWE und Tank & Rast in Betrieb genommen wurden. An diesen Stationen kann die Batterie von schnellladefähigen Elektroautos innerhalb einer halben Stunde wieder geladen werden. Für Autofahrer ist der Strom an allen Ladestationen bis Ende 2013 kostenlos.
(Stand Januar 2014)

Das ist doch mal ein deutliches JA zur Elektromobilität, schließen doch gerade die Schnellladesäulen die Lücke zwischen Kurz- und Langstrecke. Der Club möchte also mithelfen, die notwendige Infrastruktur für die Verbreitung der Elektroautos zu schaffen.

Und auch wenn man die „Motorwelt“ betrachtet, wird einem klar, dass es eigentlich der ADAC gewesen sein muss, der die Elektromobilität erfunden hat. Eben ein Vorreiter. Der weiß halt, was wir Autofahrer wollen. Manchmal sogar besser als wir selbst.

Doch wohl nicht nur in Berlin hat der ADAC seine Geschäftsstellen in der City. Parkmöglichkeiten für die Besucher in der Umgebung sind naturgemäß knapp. Die Ladepunkte müssen daher für ladende Elektrofahrzeuge mit Halteverboten reserviert werden, damit das großzügige Angebot überhaupt genutzt werden kann.

War’s das schon?

Ich war daher gelinde gesagt überrascht, als ich unter dem Titel: „Förderung der Elektromobilität durch privilegiertes Parken“ das ADAC Statement „Zur Sache“ vom Stand Oktober 2013 las.

Darin vermittelt sich mir der Eindruck, man sehe die „Besitzer hochpreisiger Elektrofahrzeuge“ als eine elitäre Gemeinschaft an, die ein Elektrofahrzeug aus reinen Prestigegründen halte, vielleicht auch als Drittfahrzeug zum bequemen Einkauf in der City, vermutlich beim Juwelier.

Von sozialer Gerechtigkeit ist die Rede und dass unter anderem daher eine „Bevorzugung von Elektrofahrzeugen im ruhenden Verkehr nicht sinnvoll ist“.

Das Laden der Fahrzeuge erfolge ja „fast ausschließlich zu Hause und am Arbeitsplatz, wo der Pkw lange stehen kann und durch das langsame Aufladen eine schonende Regeneration der Batterie möglich ist.“ Unterwegs ist das dann wohl unnötig und eher schädlich. Sollte man vermeiden.

Schließlich seien „auch die hohen Kosten für die Einrichtung von Ladesäulen im öffentlichen Raum – u.a. aufgrund der kostenintensiven Schutzmaßnahmen gegen Vandalismus – zu berücksichtigen.
Man liest ja auch so häufig von Aufrufen der Szene, diese dekadenten Symbole des verhassten Bonzensystems zu bekämpfen. Ganz schrecklich das. Schäden in Millionenhöhe.

Mir geht endlich ein Licht auf

Da muss ich wohl insgesamt etwas ganz falsch verstanden haben. Bisher dachte ich, es sei ein soziales, also gesellschaftliches Ziel, Elektromobilität in ihrer Verbreitung zu fördern. Immerhin wird sich diese Technik sonst erst durchsetzen können, wenn sie konventionellen Fahrzeugen gegenüber wirtschaftlicher ist.

Und ich glaubte, Elektromobilität werde Schmutz, Lärm und Abgase gerade in den Innenstädten reduzieren. Und, dass davon alle etwas hätten, auch die anderen Autofahrer. Vor allem, wenn sie dort wohnen.

Ich dachte, Elektrofahrzeuge seien echte Autos, die unterwegs sein sollen und die nicht zu Hause oder am Arbeitsplatz schön langsam vor sich hin laden und ihre sensiblen Akkus regenerieren müssen.

Ich nahm an, dass auch der ADAC mit dem Angebot kostenlosen Ladens die Käufer von teureren Elektrofahrzeugen finanziell ein wenig entlasten will. Um eben trotz der höheren Kosten einen Ausgleich zu schaffen. So ähnlich wie auch die Politik, die das mit der Steuerbefreiung zumindest in geringem Maße tut.

Und vor allem bin ich dem Irrtum erlegen, dass eine gewisse Logik in der Reservierung von Stellplätzen mit Ladesäulen nur für Elektroautos besteht, weil die Fahrzeuge beim Laden an der Säule wohl auch dicht neben ihr stehen müssen.

Schluss mit den Privilegien!

Aber nun blicke ich durch. Die City ist doch kein Ponyhof. Sollen die doch auch auf die Tankstelle fahren, wie ordentliche Autos. Oder sich ein Kabel kaufen, das lang genug ist. Die habens doch.

Ist den meisten Autofahrern doch ohnehin schon ein Dorn im Auge, dass für ihre teuren Steuergelder Ladesäulen gefördert werden. Nun sollen sie auch noch den Platz freihalten, damit die Säulen zum Laden genutzt werden können? Ja, wo kommen wir denn da hin?

Wo bliebe denn da die Gerechtigkeit, wenn für unterschiedliche Fahrzeugtypen verschiedene Regeln gelten würden. Wenn Mopeds nicht mehr auf Autobahnen fahren dürften, oder LKW nur noch mit Maut und sonntags gar nicht. Wenn Busse für Stadtrundfahrten reservierte Parkplätze hätten oder vielleicht dasselbe auch noch für Taxis. Nicht auszudenken, wir haben mehr als 7.500 Stück davon in Berlin!
Wäre ja reine Willkür, wenn man Überholverbote oder die zulässige Höchstgeschwindigkeit einfach so nach Fahrzeugtyp festlegen würde. Oder wenn Autofahrer sich anschnallen müssten, Motorradfahrer aber nicht. Undenkbar! Gleiches Recht für alle!

Wahrscheinlich meint der ADAC das mit der Förderung der Elektromobilität also ganz anders. Ich verstehe es nur nicht. Sicherlich will man nur verhindern, dass die ganzen Porsches, BMWs und Teslas die Parkplätze an den Ladesäulen nutzen und dort laden. Diese Typen kaufen sich so ein Auto nur wegen des kostenlosen Parkplatzes. Schweinerei!

Zum Glück wird der Club das verhindern. Danke ADAC! Was täten wir wohl ohne dich?

Ein Nachtrag

Gerade eine gute Idee zum Thema Fairness gefunden. Der Parkplatz an der Ladesäule soll ja auch von Elektrofahrzeugen bald wieder geräumt werden, wenn der Akku voll ist. Load & Leave, sozusagen. Da kann man doch dieses Low-Tech-Werkzeug, die Ladescheibe, schön für einsetzen.
Da hätte man doch auch beim Club drauf kommen können, oder?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.