Red Alert!

Alarmstufe Rot!

Alarmstufe Rot!

Wenn man die sonst unaufgeregte Art der ZOE gewöhnt ist, irritiert eine solch dramatische Warnung schon ein wenig. Droht mir etwa eine Kernschmelze? Ticken die letzen Sekunden vor der Selbstzerstörung? Oder haben sich gar Cyberterroristen in mein System gehackt?

Dabei gab es bisher keinerlei Anzeichen dafür, dass sich ein kapitaler Systemausfall ankündigt. Im Gegenteil: Fast drei Jahre lang haben sich alle Komponenten der ZOE als verlässlich, das Gesamtkonzept als solide erwiesen. Es ist zwar gerade Winter und die Reichweite pro Akkuladung pendelt nur noch um die 100km. Aber das kennt man und es liegt vor allem an kurzen Strecken mit Klimaautomatik, auf denen der abgekühlte Innenraum immer wieder elektrisch geheizt werden muss.

Das kalte Grausen

Ein kurzer Blick in elektromobile Foren und Blogs lässt mir dann die Haare zu Berge stehen: Offenbar ist eine Pandemie im Gange. ZOEBOLA. Oder eine Verschwörung. Denn im Netz häufen sich die Schreckensmeldungen. Auch im Blog von Stefan Hilchenbach brennt die Warnleuchte! Und in GoingElectric gibt es zu dem Thema bereits ein Thread mit über 700 Beiträgen und unzählige ähnliche.

Doch ruhig Blut! Fasst man die Störungen mit ähnlichen Vorbedingungen zusammen, kommt man der Ursache schnell auf den Grund. Kälte und Kurzstrecken verringern nicht nur generell die Reichweite des Autos, sondern lassen auch die Spannung der kleinen 12V „Batterie“ sinken, die neben dem großen Fahrakku Bestandteil jedes Elektroautos ist. Wie im klassischen Verbrenner steht nämlich auch bei der ZOE und ihren Brüdern und Schwestern im Motorraum ein ganz normaler Bleiakku, der sämtliche Computer und elektrischen Bordsysteme mit Strom versorgt. Und wenn der einige Jahre alt ist, sinkt seine Leistung bis zu einem kritischen Punkt.

Wie bei allen Fahrzeugen wird dieser 12V-Akku zwar während der Fahrt aufgeladen. Bei Elektroautos zusätzlich auch noch im Stand an der Ladesäule. Doch während früher die mit dem Motor laufende Lichtmaschine über einen Regler die Starterbatterie einfach solange mit Ladestrom versorgte bis diese voll war, ist heute bei allen Fahrzeugen eine Ladeelektronik aktiv. Und deren Aufgabe ist es, in erster Linie den Verbrauch des Fahrzeuges zu optimieren und den 12V-Akku nur dann zu laden, wenn dies sinnvoll ist.

Denn die Energie, die in diesen Stromspeicher fließen soll, kommt ja aus dem Treibstoff des Fahrzeuges. Beim Verbrennungsmotor ist es der zusätzliche Verbrauch von Diesel, Benzin oder Gas, beim Elektroauto Strom aus dem Fahrakku oder der Steckdose, mit dem das Aufladen des 12V-Akkus „bezahlt“ wird. Allenfalls beim Bremsen und teilweise beim „Segeln“ könnten E-Mobile und Hybride die dann überflüssige Bewegungsenergie quasi wie beim Fahrraddynamo zum Laden nutzen, ohne Antriebsenergie zu ver(sch)wenden. Denn auch der Dynamo schöpft die Energie beim Treten ja aus der Muskulatur des Pedalisten. Nur bergab oder bei Rückenwind gibt es Energie dafür ohne Mühe.

Leider scheint jedoch dieses Sparprogramm der Lebensdauer von Bleiakkus abträglich und lässt ihn bereits nach relativ kurzer Zeit verschleißen. Oder haben die Hersteller hier ein neues Modell gefunden, wie man Ersatzteile etwas häufiger verkaufen kann…?

… Kontrolle ist besser

Doch kommen wir zurück zur Anzeige im Display der ZOE: Beim Entriegeln der Türen führt ein Computerprogramm einen schnellen Check des 12V-Systems durch. Fällt dieser aufgrund zu niedriger Spannung negativ aus, klingeln die Alarmglocken und das Display zeigt eine Warnung. Der Betrieb aller Computer und Regelungen hängt schließlich vom 12V-Netz ab und ist daher systemkritisch. Wenn Leuchten und Blinker ausfielen, wäre das schon schlimm, aber wenn zum Beispiel die Computerprogramme für Motorsteuerung, Bremsen und Fahrstabilität versagen, hätte das unter Umständen dramatische Folgen.

Messeinrichtung (am Minuspol) und Garantieversprechen (auf dem Etikett): Hier lohnt sich evtl. ein Gespräch mit dem Kundendienst

Messeinrichtung (am Minuspol) und Garantieversprechen (auf dem Etikett)
Da lohnt sich doch eventuell ein Gespräch mit dem Kundendienst

Offensichtlich tritt bei Elektroautos der Zeitpunkt sehr viel früher als bei anderen Fahrzeugen ein, an dem der 12V-Akku diese verlässliche Versorgung der Bordsysteme nicht mehr garantieren kann. Denn bei den mir bekannten E-Fahrzeugtypen ist nach 3 Jahren der Tausch des Akkus beim entsprechenden Wartungstermin eine Pflichtaufgabe. Auch bei Verbrennern soll sich zwar die Lebensdauer der Starterbatterien inzwischen verringert haben, aber ein so kurzes Leben haben die Akkus dort wohl nicht.

Sei es drum. Ich habe jedenfalls schon nach einigen Tagen mit gelegentlichen Warnmeldungen die Werkstatt um einen Termin und die Bestellung einer neuen Batterie gebeten. Und das war wohl auch gut so, denn obwohl die Anzeige „ELEC System prüfen“ (in Orange) nach einer kurzen Fahrt jeweils wieder verschwand, wechselte am Tag vor dem Werkstatttermin dann die Gefahrenmeldung auf Rot.

Und so blickten mir dann während der Fahrt zum Termin die Fahrer der Fahrzeuge nebenan mit vor Angst geweiteten Blicken ins rot beleuchtete Antlitz. Ich hatte jedenfalls keine Probleme jederzeit die Fahrspur zu wechseln und bekam an der Ampel immer den Platz ganz vorn. Ich habe sogar kurz überlegt, ob ich nicht eine zufällig vorbeikommende Polizeistreife um eine Eskorte mit Blaulicht bitten sollte…

Rettung naht

In der Werkstatt dann folgendes: Der Techniker – sicherheitshalber in einem gelben Schutzanzug – nähert sich dem vorher mit Flatterband abgesperrten Gefahrenbereich, in dem meine ZOE geparkt ist. Ein fahrbarer Roboter drückt den Startknopf. Die Menschen an den Absperrungen – natürlich wurde der Stadtteil vorsichtshalber evakuiert – halten den Atem an.

„READY“ erscheint auf dem Display der ZOE, als wäre nie etwas geschehen.

Während der Anfahrt hatte sich der 12V-Akku natürlich wieder aufgeladen. Seit dem Abstellen war seine Spannung stabil und der kurzen Check beim Entriegeln der Türen ergab jetzt: Alles OK im 12V-System. Die ausgetauschte Batterie zeigte übrigens in ihrem kleinen Diagnosefenster ebenfalls leuchtendes Grün. „Säuredichte entspricht voller Ladung“, heißt das. Zumindest in diesem Moment, denn der Techniker hat im Display seines Testers dann gesehen, dass die Batterie wohl defekt ist. Dagegen haben die Fehlerspeicher keine Hinweise darauf enthalten, dass etwas mit dem Lademodul für den 12V-Akku nicht stimmt oder ein anderer Grund für diese erste ernsthafte Störung bei meiner ZOE vorlag.

Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt! In der Vergangenheit hat es ja einige dramatische Unfälle gegeben, bei denen vergleichsweise billige Teile einer komplexen Technik oder andere kleine Ursachen zur kompletten Vernichtung eines ganzen Fahrzeugs – und dem Tod seiner Insassen – führte: Eine defekte Dichtung (Spaceshuttle), ein paar herumliegende Schrauben (Concorde), eine schlecht befestigte Verkleidung (noch’n Spaceshuttle) – oder die Verwechslung eines querenden LKW mit einem Verkehrsschild (Tesla). Das ist mir also erspart geblieben. Dank der sensiblen Prüfprogramme mit konservativen Grenzwerten, die die Renault-Programmierer in das Auto eingebaut haben.

Noch entspannter wäre ich allerdings, wenn das verlässliche Funktionieren meines Autos nicht vom Zustand einer Wald-und-Wiesen-Komponente abhängen würde, die relativ plötzlich und bereits nach drei Jahren die Anforderungen an einen sicheren Betrieb nicht mehr erfüllt. Das ist aber wohl kein Problem, das nur bei der ZOE zu finden ist. Auch das 12V-Bordsystem im e-Golf eines guten Freundes zickt drei Jahre nach Produktion hin und wieder. Mal geht die Tür nicht auf, mal steht „12V-System: Spannung niedrig“ oder ähnliches auf dem Display. Die Werkstatt findet natürlich keine Mängel und bewertet den 12V-Akku als „noch gut“.

Mein Rat an alle Kollegen: Wenn diese Symptome nach etwa 3 Jahren auftauchen, dann handelt! Wartet nicht, bis Witterungsbedingungen und andere Umstände zu echten Problemen führen. Lasst Eure 12V-Akkus rechtzeitig tauschen, wenn sich keine anderen Ursachen erkennen lassen, wie zum Beispiel ein möglicher Defekt des 12V-Lademoduls.

Es scheint bei den derzeit verwendeten Blei-Säure-Akkus normal zu sein, dass sie im E-Auto drei Jahre nicht überleben. Das ist etwas ärgerlich, aber aller Wahrscheinlichkeit nach (noch) ein Faktum. Na ja, dafür müssen wir keine Ölwechsel machen, ersparen uns auch langfristig den Ersatz von Kupplung und Auspuff und sogar die Bremsbeläge halten länger. Von irgend etwas müssen die Autowerkstätten ja zukünftig auch noch leben, oder?

Übrigens: Auch bei einer alten BMW ist spätestens alle zwei bis drei Jahre der Akku platt. Um den zu tauschen brauche ich allerdings nur zwei 10er Schlüssel sowie ein wenig Grundwissen und nicht eine abgeschlossene Ausbildung zum Mechatroniker, einen Diagnosecomputer und die Unterstützung der NASA.

Tempora mutantur… (2. Semester Asterix: „Die Zeiten ändern sich…“).

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