Samstagslektüre

Gleich auf dreierlei Art haben mich bei der Frühstückslektüre die Themen Elektromobilität und Erneuerbare Energie angespungen. Für mich ein Zeichen dafür, dass diese Themen zukünftig in zunehmenden Maße unseren Alltag beeinflussen könnten. Immerhin beschäftigen sich sehr unterschiedliche Menschen aus ganz verschiedenen Gründen direkt oder indirekt mit Fragen, die damit zusammenhängen.

Der Pulitzerpreis für eine Journalistin

Immer wieder gab es in der Geschichte des Lebens Zeiträume, in denen eine große Zahl von Tier- und Pflanzenarten von der Erde verschwanden. Die letzten fünf derartigen Katastrophen hatten unbekannte oder kosmische Ursachen. Der Mensch war daran nicht beteiligt. Nun aber sieht die amerikanische Wissenschaftjournalistin Elizabeth Kolbert „Das sechste Sterben“ voranschreiten und diesmal sind wir es, die die Ursachen dafür liefern.

"Das sechste Sterben" von Elisabeth Kolbert (Copyright: Suhrkamp Verlag)
„Das sechste Sterben“ von Elisabeth Kolbert (Copyright: Suhrkamp Verlag)

Zum Teil ist es die Geschwindigkeit, mit der wir den Planeten verändern und mit der wir uns durch seine Lebensräume bewegen. Dabei lassen wir der Evolution keine Chance mehr, die bisher die erfolgreiche Strategie des Lebens war, indem sie Anpassungen auf veränderte Lebensbedingungen nutzte und verstärkte. Die aussterbenden Arten können jedoch nun nicht mehr schnell genug reagieren oder ihnen sind die Ausweichräume bereits durch uns versperrt.
Ein wesentlicher, aber nicht der einzige Grund für die Veränderung der Lebensräume ist für Elisabeth Kolbert die Zunahme des CO² in der Atmosphäre durch unsere fossile Technik. Die Folge ist neben der Erwärmung der Lufthülle die Veränderung der Ozeane. Ihr Säuregehalt erhöht sich dadurch ebenfalls, was großen Einfluss auf die dort lebenden Arten hat. In einem Interview, das der „Stern“ mit ihr führte, wird sie gefragt, was sich tun ließe, um den Vorgang zu verhindern. Sie antwortet, dass er vermutlich nicht aufzuhalten sei, jedoch eine kleine Chance bestehe, ein Ergebnis zwischen „schlimm und verheerend“ zu erzielen:

„Wir müssen diesen riesigen ökonomischen Motor, der auf fossilen Brennstoffen basiert, komplett umbauen zu einem, der das nicht mehr tut.“

Elisabeth Kolbert ist es klar, dass es der Erde wenig nutzt, wenn sie ein Hybridauto fährt, eine PV-Anlage betreibt – und für ihre Recherchen Zigtausende Kilometer mit dem Flugzeug unterwegs ist. Aber ihr Buch zeigt mir, dass wir jetzt zügig mit der globalen Umstellung unserer Energietechnik weitermachen müssen, wenn wir den zunehmenden Schaden an unserem Lebensraum tasächlich noch etwas verringern wollen.

Fliegen mit dem Fön

Apropos Flugzeug: Der Flugzeugbauer Airbus testet derzeit ein rein elektrisch betriebenes Kleinflugzeug, den „E-Fan“. Der Prototyp soll bis 2017 zu einem Serienmodell weiterentwickelt werdem, das zunächst als Schulflugzeug mit zwei bis vier Sitzen Verwendung findet. Etwa eine Stunde kann der leise Flieger heute schon in der Luft bleiben. Gerade hat er erfolgreich einen Flug über den Ärmelkanal absolviert.

The E-Fan crossed the British Channel (Copyright: Airbus Group / CAPA / Bassignac)
Der E-Fan hat den Ärmelkanal erfolgreich überquert (Copyright: Airbus Group / CAPA / Bassignac)

Bis 2030 sollen auch Verkehrsflugzeuge möglich sein, die mit einem kraftstoffbetriebenen „Range Extender“ regional unterwegs sind. Anders gesagt, die Motoren werden elektrisch betrieben, die Energie dafür stammt zu einem Drittel aus Batterien und zu zwei Dritteln aus dem Generator. Damit ist noch offen, welcher Brennstoff verwendet werden und welche Technik der Generator haben wird. Selbst mit einer Turbine an der Generatorwelle wäre aber der Vorteil nutzbar, dass man relativ leise Starten und Landen kann, wenn man dabei nur die Akkus als Stromquelle nutzt. Vielleicht kann ja sogar eines dieser Flugzeuge bei der Eröffnung des BER vorgestellt werden…

Sicherlich ist die Luftfahrt ein schwieriges Feld, wenn es um die Nutzung von elektrischen Antrieben geht. Wesentlich mehr als bei Bodenfahrzeugen spielt hier natürlich das Gewicht des Energieträgers eine Rolle. Dennoch zeigt der E-Fan, dass nicht nur Flugmodelle mit dieser Technik realisierbar sind. Der Technikchef von Airbus Jean Botti weiß das. Er ist gelernter Luftfahrtingenieur – und hat unter anderem bei Renault gelernt!

Die eigens für die elektrischen Flugmaschinen gegründete Produktionsfirma heißt übrigens „VoltAir“.

Groß, gelb und leise

Doch auch am Boden tut sich einiges für den Massentransport von Personen. Und wer schon einmal mit Blick auf den Auspuff neben einem anfahrenden Onmibus stand, der wird es auch besonders zu schätzen wissen: Berlin bekommt in diesem Sommer seine erste rein elektrische Buslinie. Damit weitere Superlative bemüht werden können hat man es so formuliert: Weltweit die erste kabel- und kontaktlos betriebende Buslinie … in einer Hauptstadt. Blöderweise hat uns nämlich Braunschweig bereits 2014 den Schneid abgekauft, was eine elektrische Buslinie mit induktiver Aufladung angeht. Braunschweig!!!

Aber dank Technischer Universität Berlin, zwei Millionen Euro aus dem Stadtsäckel, dem „Internationalen Schaufenster Elektromobilität Berlin-Brandenburg“ und der Förderung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur mit immerhin 4,1 Millionen Euro hat es jetzt auch hier bei uns geklappt. Uff! Dobrint sei Dank. Was wir machen – machen wir jedenfalls richtig … und teuer.

E-Bus-Fahrplan Linie 204 (Copyright: BVG Berlin)
E-Bus-Fahrplan Linie 204 (Copyright: BVG Berlin)

Zwischen Zoologischer Garten und dem Bahnhof Südkreuz werden also ab September die vier Elektrobusse der polnischen Firma Solaris im 20 Minuten Takt ihren Dienst am Kunden tun. 18 Haltestellen der Linie 204 sind dann anzufahren, an den Endhaltestellen wird schließlich über eine absenkbare Bodenplatte berührungslos mit bis zu 200kW die induktive Aufladung des 90kWh-Akkus auf dem Dach des Fahrzeugs durchgeführt.

Die Akkus sind so ausgelegt, dass die Fahrzeuge mehrere Touren absolvieren können, ohne Aufladen zu müssen, falls der Fahrplan oder andere Umstände dies erfordern. Auch im Busbetriebshof in der Indira-Ghandi-Straße, wo die Fahrzeuge stationiert sind, gibt es ein Induktionsfeld. Das Projekt soll zunächst bis 2016 laufen und dann ausgewertet werden.

Ich freue mich schon auf eine Probefahrt mit kombiniertem Bus-Spotting beim Laden. Wegen des Induktionsfeldes übrigens bitte keine Angst: Das Magnetfeld reißt einem weder die Knöpfe von der Hose noch werden die Fahrgäste vom Kleingeld in ihren Portemonnaies (ich hab’s nachgeschlagen) an den Sitz geheftet. Die Ladespule muss auf die Fahrbahn abgesenkt werden und das Feld ist dann auf diese Fläche begrenzt. Eher ist zu befürchten, dass die Fahrzeuge im Winter bei der traditionell schlechten Schneebeseitigung in dieser Stadt einfach beim Laden festfrieren und die Platte nicht mehr vom Boden bekommen. Na warten wir es ab.

2 thoughts on “Samstagslektüre”

  1. Hi beckslash,

    wenn ich so an meine Kinder- und Jugendtage in der „DDR“ zurückdenke, kann ich mich an sogenannte O-Busse in Potsdam entsinnen. Die hingen an einer Oberleitung und fuhren vollelektrisch. Sieht man heute fast gar nicht mehr, vermutlich zu teuer und unflexibel. Die Dinge fand ich damals ziemlich exotisch, so ganz ohne Krach und Qualm ;-).

    Gruß,
    Derek

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