Stromstoß aus der Steiermark

Stromstoß aus der Steiermark - NRGkick von Dinitech

Stromstoß aus der Steiermark – NRGkick von Dinitech

Das lange erwartete Ladekabel NRGkick der österreichischen Firma Dinitech wird seit seiner Markteinführung Anfang August 2015 an Vorbesteller ausgeliefert. Es verbindet alle gängigen Wechselstromanschlüsse mit dem Typ2-Stecker für Elektroautos. Nun ist es auch hier eingetroffen und die ersten Test mit der ZOE sind absolviert. Spontaner Eindruck: Das passt!

Jede Menge Kupfer

Als das ersehnte Paket ankommt, überrascht zuerst einmal das ordentliche Gewicht. Beim Auspacken wird dann auch klar, wo es herkommt: Rund acht Meter daumendickes Kabel, das robuste Elektronikmodul (ICCM) und die beiliegenden drei Adapter für die unterschiedlichen Stromanschlüsse bringen mit Verpackung gut sieben Kilo auf die Waage.

Alles dabei - für Strom aus jeder Quelle

Alles dabei – für Strom aus jeder Quelle

Geknausert hat Dietmar Niederl, der Entwickler des Kabels, bei der Auswahl des Materials jedenfalls nicht. Gegen den blauen Kabelring des NRGkick wirkt das Typ2-Ladekabel von Renault geradezu filigran – und das ist ebenfalls für 22kW gut. Aber auch der übrige Materialeinsatz und die sorgfältige Verarbeitung sorgen beim NRGkick für einen robusten Gesamteindruck. Da wirkt nichts billig oder empfindlich, und erfreulicherweise stören auch keine komplizierten Bedienelemente das Bild: es gibt genau eine Taste und eine Reihe mit Leuchtdioden. Rein äußerlich schon einmal sehr überzeugend.

Einfache Bedienung schafft Sicherheit

Das gute Design setzt sich in der mitgelieferten deutschen Anleitung (auf Papier!) fort. In zehn Sätzen ist das Wesentliche erklärt. Noch einmal abgekürzt: Kabel an das Stromnetz anschließen, Knopf drücken bis die richtige Stromstärke angezeigt wird, Fahrzeug verbinden. Fertig.

Einfach. Sicher. Überall. Laden.

Einfach. Sicher. Überall. Laden.

Für die Beantwortung der Frage, welches denn die richtige Stromstärke ist, hat das Entwicklerteam eine klevere wie auch einfache Lösung gefunden:

Am Kabel des verwendeten Adapters klebt eine schwer zu übersehende Fahne, die die maximale Stromstärke für diesen Anschlusstyp nennt. Einfach diesen Wert durch wiederholtes Drücken des Bedienknopfes einstellen und es kann nichts passieren.

Alle anderen Parameter überwacht und regelt die Elektronik automatisch.

Gängige Stromquellen – und deren mögliche Nutzer

Im Idealfall kann man das NRGkick jedoch ohne weitere Adapter verwenden und seine kurze Seite mit einer roten CEE-Wechselstromdose verbinden. Je nach Modell des Kabels ist dieser fest montierte Stecker entweder die etwas kleinere 16A-Ausführung (11kW) oder die größere Variante mit 32A (22kW). Die erwähnten, für beide Kabel erhältlichen kurzen Adapter, erlauben den Anschluss an Dosen mit geringerem Strom bzw. mit nur einer Phase. Dadurch sind mit dem NRGkick von der gewöhnlichen Haushalts- oder Schukosteckdose über die blaue Campingsteckdose bis hin zur roten Drehstromsteckdose alle gängigen Wechselstromanschlüsse nutzbar.

NRGkick (506x506)

Die zuletzt genannte Ausführung des Kabels mit 32A ist vor allem für die Fahrer von Tesla, Renault ZOE und Smart ED interessant. Nur diese drei Fahrzeugtypen – Tesla und SMART ED mit Sonderausstattung – können aktuell mit 22kW Wechselstrom laden und profitieren bezüglich der Ladedauer in vollem Umfang von der hohen Stromstärke und den drei Phasen des Anschlusses.

Aber auch der BMW i3 kann die höhere Stromstärke nutzen und damit zumindest mit einer Phase 32A laden, was ihm einen Ladevorgang mit 7,4kW an Wechselstrom ermöglicht.

Das „kleinere“ NRGkick in der 16A Version ist übrigens für den Mercedes B-Klasse electric drive (ja, das Fahrzeug soll es tatsächlich geben!) besonders geeignet, in dem ein Antriebsstrang von Tesla arbeitet und der über dessen einfachen Wechselstromlader mit 11kW verfügt. Dasselbe Kabel kann an eGolf und eUP! die Wechselstromladung mit einer Phase und immerhin 16A bieten und daher 3,6kW leisten. Für die asiatischen Elektroautos ist das NRGkick (noch) ohne besonderen Wert, da sie am Fahrzeug nicht über eine Typ2-Steckdose verfügen.

(Update Mai 2016: Inzwischen gibt es auch zwei neue Varianten: Damit können nun also auch Fahrzeuge mit Typ1-Stecker alle Wechselstrom-Anschlüsse bis 16A nutzen und mit bis zu 3,7kW laden. Das sind m. W. die meisten asiatischen Elektroautos und viele PLug-In Hybride.)

NRGkick und „Prinzesschen“ ZOE

Spannend wird es zu testen, wie sich das Chameleon-Ladesystem der ZOE mit dem NRGkick verträgt – und zwar unter den oft nicht ganz „sauberen“ Bedingungen, die sich im Feldeinsatz so bieten. Nur bei wirklich einwandfreien Installationen war mir in der Vergangenheit mit dem 16A-Mennekes-Kabel oder dem 13A-Siemens-Kabel ein stabiler Ladevorgang möglich. Gab es beim Laden jedoch zum Beispiel Spannungsabfall unter Last, oft durch zu klein dimensionierte Zuleitungen zu den Dosen verursacht, brachen die Ladevorgänge sogar bei 10A regelmäßig ab. Fahrten in Gegenden mit fehlender öffentlicher Ladeinfrastruktur gerieten so zum Experiment.

Erster Test in der Garage einer Kundin im Berliner Umland: Der Adapter für die Schukosteckdose kommt zum Einsatz, das NRGKick wird auf 10A eingestellt und … die ZOE fängt nach wenigen Sekunden an zu laden. Da die Außensteckdose über einen Schalter Strom bekommt, sind hier die empfohlenen 10A auch die maximal zulässige Leistung. Für den Test belaste ich eine direkt mit der Hausverteilung verbundene Schukodose anschließend mit 13A. Auch das klappt ohne Problem. Allerdings ist die Installation erst zwei Jahre alt und offensichtlich tipptopp.

Nächster Versuch an einem über 50 Jahre alten Hausanschluss. Im Sicherungskasten befinden sich gerade mal vier (!) Schmelzsicherungen. Ein einzelner, mit „Licht“ bezeichneter und mit 10A abgesicherter Stromkreis ist offenbar für alle Steckdosen der Wohnung zuständig. Bis zum Parkplatz des Autos ist zudem noch eine Kabeltrommel mit 50m Leitung im Einsatz. Vor dem Anschließen der ZOE zeigt das Messgerät an der Kabeltrommel bei aktiviertem NRGkick rund 225 Volt an. Als die ZOE schließlich die Ladung beginnt, fällt die Spannung erwartungsgemäß auf unter 215 Volt ab. Im Gegensatz zum bisher genutzten einphasigen Mennekes-Kabel jedoch, kommt das NRGkick hervorragend mit der Situation zurecht. Der Ladevorgang bleibt stabil.

Noch ein Versuch mit einer Phase an einem blauen CEE-Anschluss mit 16A. Auch hier ist die Installation neu und mit ordentlich dimensionierter Zuleitung. Daher wie erwartet kein Problem, auch nicht mit 10m Verlängerungskabel zwischen Wanddose und NRGkick.

Laden mit Schmackes und mit Stil

Nun sind Ladevorgänge mit einer Phase bei 10A, 13A oder selbst bei 16A nicht gerade flott und eher etwas für den Notfall oder die Nacht. Ist man jedoch unterwegs auf einer längeren Strecke, dann sind dreiphasige Drehstromanschlüsse schon sehr wünschenswert. Der Test des NRGkick an derartigen Dosen soll auf dem Parkplatz der Bäckerei Plentz in Oberkrämer nördlich von Berlin stattfinden. Dort gibt es schon seit Oktober 2013 mehrere Lademöglichkeiten für Elektroautos bis 22kW – unter anderem integriert in eine wunderschöne alte BP-Tanksäule und nebenan auf einem Parkplatz, der ebenfalls vier Wohnmobil-Stellplätze bietet.

Super Stromtankstelle!

Super Stromtankstelle! (BP = Bäckerei Plentz)

Dass die Zahl der dort ladenden Autos seither eher gering war, der Zähler der BP-Säule zeigt bisher knapp 250kWh Strombezug an, mag vor allem an dem benötigten Ladekabel für die installierten CEE- und Schuko-Anschlüsse liegen. Eine einfache Typ2-Ladebox hätte natürlich eine größere Zielgruppe angesprochen. Aber dennoch muss man Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz Respekt zollen: Er hat die wohl schönsten Ladepunkte Brandenburgs geschaffen. Hier finden handwerkliche Tradition, schöne Gestaltung und eine optimistische Sicht auf zukünftige Lösungen zusammen. Ein Abrechnungsverfahren gibt es auf Vertrauensbasis und zum Selbstkostenpreis.

NRGkick an CEE32: Laden mit 22kW

NRGkick an CEE32: Laden mit 22kW

Zu dieser Lademöglichkeit passt das NRGkick natürlich ganz vorzüglich. Das Kabel probiere ich zunächst an der robusten roten CEE32-Dose in der BP-Säule aus. Stromstärke auf 32A eingestellt, die ZOE verbunden – klack, lädt!

Nach rund einer halben Stunde – mit leckerem Brötchen und Milchkaffee – ist der Akkustand wieder bei 95% und ich beende den Vorgang. Alle Komponenten sind nicht einmal handwarm geworden. Hier hat Dinitech wie erwartet gute Qualität geliefert. Auch die nicht sichbaren Teile scheinen offenbar großzügig dimensioniert zu sein. Und das Zusammenspiel mit der ZOE klappt ebenfalls ohne Störungen.

Das eröffnet mir persönlich für die Zukunft ganz neue Wege. Das Kabel ist kompakt genug, um im Fahrzeug für den Fall der Fälle dabei zu sein und ermöglicht es, an allen gängigen Stromanschlüssen wieder Energie in den Akku zu laden. Klasse!

Reichlich Anschlüsse: Hier einmal CEE16 im Einsatz (11kW)

Reichlich Anschlüsse: Hier einmal CEE16 im Einsatz (11kW)

Das zeigt sich auch beim abschließende Test auf dem Wohnmobil-Parkplatz, wo ich noch einmal den 11kW Lademodus an der CEE16-Dose ausprobiere. Hier kommt natürlich der entsprechende CEE16-Adapter zum Einsatz. Es überascht nun schon nicht mehr, dass Anschließen, Einstellen und Verbinden des Kabels mit der ZOE einfach von der Hand gehen und der Ladevorgang ohne Murren startet. Auch die Wahl des etwas längeren 7,5m Kabels bereue ich nicht, da sich damit lockere Kurven legen lassen und allzu starker Zug auf die Steckerverbindungen vermeiden lässt, selbst wenn man mal nicht so ideal nah zum Anschlusskasten stehen kann, wie hier.

Mein Fazit:

Besser kann man es nicht machen. Das Kabel erfüllt nicht nur seinen Zweck, sondern ist darüber hinaus einfach zu handhaben und sicher zu bedienen. Den Preis finde ich mehr als angemessen, das Design praktisch und robust.

Ich bin nun sehr gespannt auf die Apps, die zusammen mit den Bluetooth-Versionen des NRGkicks in den nächsten Wochen auch noch Messdaten liefern und feinere Einstellungen ermöglichen sollen. Zunächst wird wohl die Android- und etwas später die iOS-App erscheinen. Zu gegebener Zeit werde ich also an dieser Stelle ein Update ergänzen. Ein kurzer Film mit einer Vorschau auf die Apps soll die Möglichkeiten schon einmal darstellen (Quelle: Dinitech GmbH, Dietmar Niederl).

Was ebenfalls noch offen bleibt, sind Erfahrungen im „Feldeinsatz“ und unter ungünstigen Anschlussbedingungen, wie ich sie auf verschiedenen Fernfahrten machen durfte. Jedoch habe ich nach den ersten Tests bereits größtes Vetrauen darin, dass mir unsichere Lademöglichkeiten und Abbrüche des Ladevorgangs mit dem NRGkick in Zukunft erspart bleiben.

Laden in Feld, Wald & Flur (Update Oktober 2015)

Laden mit 16A einphasig

Laden mit 16A einphasig

Das Vertrauen wurde nicht enttäuscht! Tatsächlich muckt das NRGkick nicht ein einziges Mal, obwohl verschiedene, teilweise abenteuerliche Stromquellen angezapft werden. Auch im hohen Norden sind die „Wackelkandidaten“ des vergangenen Sommers nun endlich als verlässliche Energiequellen nutzbar. Zwar läuft mancher Anschluss wie zuvor unter Last mit nur noch 210V, dennoch wird die ZOE ohne Abbruch voll geladen. In etwas mehr als 8 Stunden ging es zum Beispiel mit 16A am blauen CEE-Stecker von 8% auf 100% Ladezustand. Genau das richtige, wenn zum Beispiel nachts nachgeladen werden soll. Dabei lag das NRGkick im Gras und wurde im Seenebel sogar patschnass.

NRGkick goes iOS (Update Januar 2016)

Noch im alten Jahr trifft die E-Mail mit der Information darüber ein, die auch Tipps zur Bedienung enthält. Nun ist also auch die App für iPhone und iPads fertig.

Wie versprochen ist es damit möglich, die mit Bluetooth ausgestatteten Modelle des NRGkick per Handy zu steuern und diverse Daten von ihnen übermittelt zu bekommen. Die Unterscheidung zwischen verschiedenen Kabeln – zum Beispiel bei Ladetreffs – geschieht dabei über einen individuellen Namen, den jedes Kabel hat und den man auch frei wählen kann.

Was bisher geschah...

Was bisher geschah…

Ist das Kabel an eine Stromquelle angeschlossen, wird sein Name in der App angezeigt und lässt sich verbinden. Ein vierstelliger Code im NRGkick und im Handy, wie er bei Bluetooth-Paarungen üblich ist, gewährleistet die Sicherheit. Er ist von Hause aus auf 1234 gesetzt, kann aber leicht in den „Einstellungen – Bluetooth“ für beide Teile der Verbindung geändert werden. Dies ist auch zu empfehlen, um Missbrauch und unerwünschte Zugriffe zu vermeiden. Der gewählte Code wird von den Geräten übrigens automatisch verwendet und muss beim Verbinden nicht jedes Mal eingegeben werden.

Ohne aktiven Ladevorgang ist dann die Anzeige der bisher aufgelaufenen Werte und des eingestellten Ladestroms erst einmal alles. Hier ließe sich für spätere Versionen der App noch einiges ergänzen: Zum Beispiel wäre das Zurücksetzen der Zähler für geladene Energie und der daraus errechneten Werte ähnlich der verschiedenen Kilometerzähler im Fahrzeug sicherlich wünschenswert. Derzeit werden lediglich die aufgelaufenen Gesamtwerte und die Energie der letzten drei Ladevorgänge in den „Aufzeichnungen“ angezeigt.

Feineinstellung nach Wunsch

Feineinstellung nach Wunsch

Unter „Ladesteuerung“ lassen sich die aktuellen Werte für alle relevanten Größen ablesen, der gewünschte Ladestrom in Schritten von 1A einstellen und die Energie für den aktuellen Ladevorgang begrenzen. Leider gibt es vor Beginn des Ladevorgangs jedoch keine Anzeige für die Spannung auf den Phasen. Das wäre aber sehr günstig zur Erkennung von Zuständen und möglichen Fehlern in der Stromversorgung, bevor man den Vorgang durch Anschließen des Kabels am Auto startet. Gerade die ZOE ist ja bekanntlich sehr sensibel, wenn Phasen fehlen oder deren Spannung stark abweicht.

Alles in allem kann man die App als gelungen und sehr hilfreich bezeichnen. Es bleibt zu hoffen, dass der Umfang an Funktionen in zukünftigen Versionen noch sinnvoll erweitert wird. Sicherlich wird Dietmar Niederl aber bereits Vorschläge seiner Kunden sammeln und weiterhin sein Produkt optimieren. Bisher hat er das meines Erachtens schon sehr gut gemacht!

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