PowerZOE

R110 Limited mit Sonderausstattung (Quelle: Renault Konfigurator)

Seit 2013 fährt die ZOE sehr erfolgreich und vollelektrisch durch Europa. In dieser Zeit hat es ja schon einige Veränderungen am Modell gegeben, die hauptsächlich den Antriebsstrang und damit die Reichweite betrafen. Nun ist ein neuer Motor mit etwas höherer Leistung erhältlich – vielleicht das letzte Facelifting für die „alte“ ZOE.

Ein Blick zurück

Von Anfang an hat Renault ganz gezielt auf das Laden und Schnellladen mit Wechselstrom gesetzt, der in unseren Stromnetzen der übliche Standard ist. Während jedoch aus der vertrauten Schukosteckdose nur relativ geringe Leistungen für Haushaltsgeräte zur Verfügung gestellt werden, brauchen Elektroautos deutlich mehr Stromstärke, um schnell aufladen zu können. Das bieten europaweit Ladestationen mit dem sogenannten Typ2-Anschluss.

Das erste Modell der ZOE mit einem Motor von Continental aus Berlin konnte demnach an entsprechenden Drehstrom- oder Kraftstromanschlüssen in einer halben Stunde wieder aufladen. Das „Q“ für „quick“ in der Modellbezeichnung Q210 sollte das verdeutlichen. Im Alltag ist und war allerdings ein so flottes Laden mit 43kW selten notwendig, da jedes Fahrzeug ja öfter parkt als fährt und dann genügend Zeit zur Verfügung steht. Nur benötigt es dafür dann an diesem Parkplatz idealerweise einen Stromanschluss. Zur Tankstelle muss man dann eigentlich nur noch fahren, wenn man Brötchen oder eine Zeitung möchte.

Hier fließt noch Wechselstrom mit 43kW: Q210 an Typ2

Auf längeren Strecken über die Reichweite des Akkus hinaus ist jedoch die Ladedauer ein Teil der Reisezeit und eine schnelle Ladung erfreulich bis notwendig, besonders bei den ja noch recht kleinen Akkus der Fahrzeuge. Die Weiterentwicklung der ZOE zielte nun also vor allem auf die Verbesserung der Reichweite ab.

Mit der Baureihe R240 setzt Renault seit 2015 einen eigenen, in Frankreich entwickelten Motor ein, der etwas sparsamer als der erste ist. Aus dem „Q“ wurde ein „R“, das für „range“, also Reichweite, steht. Und die Zahl 240 sollte verdeutlichen, dass mit einer vollen Akkuladung nun bis zu 240 km am Stück gefahren werden können – zumindest auf dem Prüfstand nach NEFZ.

Allerdings verschwand mit dem „Q“ in der Modellezeichnung auch die sehr hohe Ladeleistung von bis zu 43kW, die bei der ZOE maßgeblich mit dem Aufbau des Motors und seiner Elektronik zusammenhängt. Das Modell mit dem „R“ kann also nur noch bis 22kW Leistung laden. Bedauerlich für diejenigen, die das Auto auch für längere Fahrten einsetzen. Allerdings bieten deutschlandweit die Ladeanschlüsse mit Wechselstrom überwiegend genau diese Leistung an: Inzwischen mehr als 28.000 Anschlüsse liefern 22kW, dagegen nur rund ein weiteres Zehntel 43kW.

Typischer Ladepunkt mit 22kW, hier in Parchim

Seit Ende 2016 kann die ZOE aber wahlweise auch mit einem leistungsfähigeren Akku bestellt werden, der die Reichweite beinahe verdoppelt. R90 heißt der unveränderte Motor seitdem und Renault änderte damit die Namensgebung generell etwas: Nun steht die Zahl wohl für die aufgerundete Motorleistung in PS, wobei der Zusatz „Z.E. 40“ die 41kWh Leistung des großen Akkus bezeichnet. (Zum damaligen Artikel „ZOE – reloaded“ geht es hier.)

LIFE – Im Leben angekommen

Trotz der also nun nicht mehr ganz so schnellen Ladung ist der große Akku mit dem sparsamen Motor ein recht guter Kompromiss. Zusammen mit der seit Jahren ständg wachsenden Zahl von Ladeanschlüssen wird das Fahren mit der ZOE dadurch noch entspannter. Denn die größere Reichweite verbunden mit der hohen Zahl nutzbarer Ladeanschlüsse und die immer noch gute Ladegeschwindigkeit von über 100km Reichweite pro Stunde, kommen dem Bedarf auf längeren Fahrtstrecken entgegen. Beim typischen Durchschnitt von täglich 40km ist selbst mit dem kleinen Akku nur alle paar Tage mal eine Nacht am Kabel nötwendig.

„LIFE“ ist jetzt auch die Bezeichnung der ZOE ab Juni 2018 und der neue, weiter entwickelte R110 Motor ist nun in der „Limited“ sowie der „Bose Edition“ vorhanden. Er soll trotz höherer Leistung nicht mehr verbrauchen, die ZOE jedoch etwas flotter beschleunigen, was das Fahren mit ihr noch ein Stück schöner macht. Leise und agil lässt sich der kleine Flitzer ja schon jetzt durch die Stadt und über Landstraßen bewegen. Auf der Autobahn ist und war bei 135km/h Schluss mit der Beschleunigung. Wer noch den Rausch der Geschwindigkeit sucht, muss deutlich mehr Geld ausgeben, wenn er elektrisch fahren möchte – oder eben Treibstoff verbrennen.

Dazwischen liegen rund 100.000€ Differenz im Anschaffungspreis – und 100km/h Unterschied bei der Höchstgeschwindigkeit. Der Hunger macht aber alle Fahrer gleich.

Bei den Nachbarn in Österreich und den Niederlanden ist übrigens alles ein kleines Bisschen anders: Dort gibt es jetzt die ZOE wohl nur noch mit großem Z.E.40-Akku, dafür aber auch noch mit dem Motor Q90, der die besonders schnelle Aufladung ermöglicht. Die niederländische Preisliste Juni 2018 ist Stand 13.06. aber noch in einigen Punkten fehlerhaft, so dass sich diese Angabe eventuell noch ändert.

Weiter auf Erfolgskurs

So dürfte die Strategie des französischen Autobauers auch jetzt wieder aufgehen, denn die ZOE ist ein Erfolg. Im Monat Mai führte sie die Zulassungszahlen hierzulande wieder einmal an, mit fast doppelt so vielen Fahrzeugen wie die Mitbewerber VW e-Golf und BMW i3. Zugegeben: etwas mehr als 500 elektrische ZOEs sind verschwindend wenig neben den Tausenden von Fahrzeugen mit fossilen Antrieben. Aber die Tendenz bei den Elektroautos ist weiterhin zunehmend und liegt bei 50% Zuwachs im Vergleich mit dem Vorjahresmonat.

Nicht so ganz verständlich ist allerdings, dass sämtliche Hersteller inzwischen Lieferschwierigkeiten und lange Wartezeiten haben, wenn es um Elektroautos geht. Ganz offensichtlich gibt es schon jetzt deutlich mehr Nachfrage als das Angebot befriedigen kann – selbst ohne die fantastischen Elektroauto-Studien, die beinahe jeden Monat präsentiert werden. Aber offenbar verdient man mit dem Bau und Verkauf von fossilen Antrieben eben auch viel mehr Geld und die Unternehmen sind natürlich genau dazu da. Dass die Gesellschaft unmittelbar durch reine Luft in den Städten und durch saubere Energiegewinnung im eigenen Land profitiert, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Wer es möchte, kann aber immerhin heute schon leise, flott und emissionsfrei fahren. Dafür wird inzwischen eine ganz hübsche Palette an Elektroautos wirklich produziert und ist tatsächlich bestellbar. Der Einstiegspreis dafür liegt bei der ZOE aktuell bei €16.900, wenn man die Förderung der Bundesregierung in Anspruch nimmt und eine Miete für den Akku bezahlt. Alle Elektroautos sind aktuell steuerfrei. Die Betriebskosten sind durch günstige und stabile Energiepreise und nur minimalem Wartungsbedarf äußerst gering, der Fahrspass enorm hoch.

Worauf eigentlich noch warten?

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