ZOE und die anderen

Ein Snack unterwegs
Ein Snack unterwegs

In der vergangenen Woche hält der Spaß am elektrischen Fahren weiter an und der Alltag zeigt, dass das Konzept passt und alles funktioniert. Wesentliche neue Erkenntnisse stellen sich nicht ein. Hier nur ein paar kurze Anmerkungen:

Behörden und Politik

Für das Berliner Umweltamt, Abt. Straßenverkehr sind Elektrofahrzeuge bislang kein Thema. Die Verwaltung erwartet dieselben Nachweise und Angaben zur Erteilung einer Parkplakette für die „Bewirtschafteten Parkzonen“ wie bei jedem anderen Fahrzeug.

Bei einer Recherche auf der Website des Berliner Parlamentes, des Abgeordnetenhauses, zu den Stichworten „Elektromobilität“ und „Elektrofahrzeuge“ findet man überwiegend Vorgänge, die sich mit wirtschaftlichen Fragen befassen oder damit, den Fuhrpark der Verwaltung mit Elektrofahrzeugen auszurüsten. Auch die Projekte zum „Schaufenster Elektromobilität“ zielen mehr darauf ab, Handel, Industrie und Dienstleistung auf E-Mobilität einzustellen.

Bürgern die Wahl eines Elektofahrzeuges durch finanzielle Vorteile zu erleichtern oder die private Ladeinfrastruktur zu fördern sind aktuell offenbar keine politischen Themen. In dieser Richtung sind derzeit nur die Befreiung von der Kraftfahrzeugsteuer sowie eine Ermäßigung bei der Besteuerung von Dienstfahrzeugen zu erkennen.

Ein bisschen mager das Ganze. Wann, wie und womit will man denen, die schließlich das Geld für die Million Fahrzeuge ausgeben sollen, denn diese Investition schmackhaft machen?
Soll allein die ökologische Überzeugung den Grund für eine nicht ganz unbeträchtliche Mehrausgabe beim Elektrofahrzeug liefern? Hier dürfte doch das Interesse der gesamten Gesellschaft an der Verbreitung sauberer Autos rechtfertigen, den Vorreitern ein klein wenig den Weg zu ebnen.

Blicke und Einblicke

Beim Parken am Potsdamer Platz fällt die ZOE einer kleinen Gruppe Spanisch sprechender Touristen auf. Es gibt einige interessierte Fragen zu den besonderen Eigenschaften, der Reichweite und der Ladetechnik. Offenbar kennt man das Fahrzeug aus den Medien, hat aber noch keines in natura gesehen: Ob es die erste ZOE in Berlin sei. Nach einigen Minuten und einem sehr freundlichen Gespäch gehen die vier weiter. „Very nice. Enjoy your car!“

Im aktuellen Stern sind gleich drei Anzeigen bzw. Artikel zu finden, die Elektrofahrzeuge oder Hybride betreffen. Der BMW i8 wird auf der Doppelseite hinter dem Titel präsentiert. Er ist ein Plug-In-Hybrid und spielt preislich in der Liga jenseits von €120.000 Einstiegspreis. Sehr schick.

Knapp 10 Seiten später wirbt Smart um die Gunst des Kunden. Die „Gunst der Kilowattstunde“ ist ab etwas mehr als €210 monatlich inklusive der Batteriemiete für drei Jahre zu leasen, €5000 werden dafür als Sonderzahlung im Voraus erbeten. Welches Modell damit gemeint ist, kann man allerdings nicht so ganz erkennen. Dennoch wird hier ein durchaus bezahlbares Angebot gemacht.

Im „Journal Mobil“ auf Seite 120 wird der VW XL1 vorgestellt. Hier liegt die Anzahlung bei €20.000, um eventuell eines von 200 geplanten Exemplare für €110.000 erwerben zu dürfen – wenn man denn bei der Bewerbung berücksichtigt wird. Klar, hierbei handelt es sich nicht im Wortsinne um einen Volkswagen. Vielmehr soll wohl bewiesen werden, dass ein 100 km Verbrauch unter einem Liter Treibstoff möglich ist. Es bleibt offen, ob der finanzielle Aufwand darüber hinaus einem irgendwie gearteten Nutzen dienen kann. Na wenn mir da mal nicht der Flottenverbrauch und der geringe CO-Ausstoß die einzige Daseinsberechtigung für dieses „Serienfahrzeug“ ist.
(Alle Preisangaben ohne Gewähr.)

Erfahrungen und Hoffnungen

Die helle Oberfläche des Armaturenbretts bei der ZOE ist zwar etwas nervig, wie schon einige Kritiker bemerkt haben, allerdings in der Praxis nicht so störend, dass ich noch ernsthaft über das Bekleben oder anderweitige Abdunkeln der Fläche nachdenke.

Der Verbrauch verringert sich weiter bzw. die Reichweite nimmt zu. Inzwischen soll der volle Akku für über 140 km gut sein. Auf manchen Strecken mit „Grüner Welle“ gleitet man immer wieder minutenlang, ohne dass sich die Restreichweite veringert. Da ist bestimmt noch ein bisschen was drin.

Etwa alle zwei oder drei Tage kommt die ZOE an die Ladebox. In der Zwischenzeit ist immer genug im Akku, um alle meine Fahrten zu ermöglichen. Die übliche Frage nach der Reichweite lässt sich nach zwei Wochen so beantworten: In der Stadt und im Alltag komme ich damit eigentlich unbegrenzt weit, da bei Bedarf immer eine Möglichkeit und ausreichend Zeit für das Laden vorhanden ist. Über weite Strecken wird das Fahren jedoch erst dann unkompliziert, sinnvoll und unbeschränkt möglich sein, wenn man so etwa alle 100 Kilometer mit einer Schnellladesäule rechnen kann.

Schaut man sich einmal nur das von und nach Berlin führende Autobahnnetz in Richtung Hamburg, Rostock, Stettin, Frankfurt/Oder, Dresden, Leipzig und Hannover an, kommt man bei dem genannten Raster auf ungefähr 22 bis 24 benötigte Ladesäulen. Bei nur einer Säule auf jeweils einer der meistens gegenüber liegenden Raststätten, käme man sogar zunächst mit 11 bis 12 aus. Das düften grob geschätzt Gesamtkosten von lediglich €50.000 bis €100.000 sein, um die Verbindung zwischen Berlin und den nächsten großen Städten mit heute erhältlichen Elektrofahrzeugen zu ermöglichen.

Ich habe mal Anfragen an Tank & Rast sowie an die eMO gestellt, ob es dazu eine Stellungnahme oder vielleicht sogar konkrete Pläne und Termine gibt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.