Mit Subishi, Presse und Prosecco

Nun gibt es sie: Die wohl erste (?) Schnellladestation im öffentlichen Berliner Straßenraum, an der sowohl CHAdeMO, als auch CCS und Typ2 Stecker vorhanden sind. An der Ecke Linkstraße und Joseph-von-Eichendorf-Gasse in unmittelbarer Nähe zum Potsdamer Platz hat der Importeur von Mitsubishi in Deutschland, die MMD Automobile GmbH, mit diversen Partnern diese neue Lademöglichkeit installiert und am 27. Mai eingeweiht.

Ladestation von Mitsubishi
Ladestation von Mitsubishi

Somit ist nun unabhängig von Fahrzeugtyp und -hersteller (!) auf zwei dafür besonders gekennzeichneten Flächen eine Schnellladung für fast alle Fahrzeuge möglich. Zur Freischaltung des Ladevorgangs ist eine Ladekarte von TheNewMotion geeignet, die die Abrechnung des bezogenen Stroms für Betreiber und Nutzer vornehmen.

Product Placement

Bei dieser schönen Gelegenheit wurde natürlich auch ausgiebig der neue Mitsubishi Plug-in Hybrid Outlander präsentiert, der durch seine Kombination aus Benzin- und Elektromotoren und die durchaus hochwertige Gestaltung auch für Zielgruppen interessant sein düfte, der es nicht in erster Linie auf das elektrische Fahren ankommt.

Das Fahrzeug soll etwa 50 km weit bis zu 120 km/h schnell rein elektrisch zurücklegen können, was im alltäglichen Stadtverkehr ausreichen dürfte. Bei Bedarf fährt er aber auch benzingetrieben, was Skeptiker des reinen Elektrobetriebs beruhigt aufatmen lässt. Zudem sind durch großes Ladevolumen, Allradantrieb und die Möglichkeit, Anhänger zu ziehen, weitere Einsatzbereiche offen.

Eine besondere Fähigkeit und meines Wissens bisher ein Alleinstellungsmerkmal von Mitsubishi ist, dass aus dem Fahrakku auch Strom entnommen werden kann. Und zwar nicht nur Gleichstrom über die 12V-Steckdose, sondern auch 230V Wechselstrom über einen Wechselrichter. Bei entsprechend verfügbarem und installiertem Ladeanschluss wäre somit zum Beispiel auch der Betrieb des Fahrzeuges als Energiespeicher für das Einfamilienhaus denkbar.

Die Werbebotschaft von Mitsubishi ist also angekommen: Wir können elektrisch nicht nur den e-MiEV – der inzwischen wegen der im deutschen Sprachraum irgendwie „anrüchigen“ Bezeichnung nun wohl einfach „Mitsubishi Electric Vehicle“ heisst – sondern auch „richtige“ Autos, sprich SUVs…

Cui bono – wem nützt es?

Dass sowohl dieses Event (inklusive mehrfarbigem Prosecco) als auch die Ladesäule wohl aus dem Etat für die Produktwerbung bezahlt wird, ist naheliegend und keinesfalls verwerflich. Immerhin lebt Mitsubishi unter anderem vom Verkauf von Autos und nicht von der Förderung Deutscher Ladeinfrastruktur. Es wäre nicht mal schlecht, wenn auch andere Hersteller sich daran ein Beispiel nähmen und nicht nur darauf warteten, dass schließlich der Steuerzahler die doch recht teuren Kombisäulen für ihre Produkte aufstellt.

Bei aller vorbehaltlosen Begeisterung für das Thema Elektromibiltät muss man sich ohnehin immer wieder die Frage erlauben: Wieso engagieren Unternehmen sich in dieser Richtung? Was ist ihre Motivation? Die Antworten darauf erklären viele Aktionen, die manchmal auf den ersten Blick nicht das allgemein gewünschte Ziel anpeilen und bezüglich des praktischen Nutzens nicht immer optimal sind.

Es ist in Berlin und Brandenburg die sicher nicht leichte Aufgabe der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO, die Unternehmen dazu anzuregen, Investitionen in die Elektromobilität vorzunehmen. Zwar gibt es aus dem Fördertopf auch einiges an Zuwendung zu verteilen, aber schon die dort seit langem wartenden Gelder zeigen, dass betriebswirtschaftlich begründbare Projekte in diesem Bereich nicht so leicht zu generieren sind.

Ich habe den anwesenden Vertretern der verschiedenen Firmen, Interessenverbänden und der Politik dennoch die etwas provokante Frage gestellt, ob denn geplant sei, nicht nur an solch plakativen Orten wie dem Potsdamer Platz Schnelladesäulen zu errichten, sondern auch an weniger exponierten Orten auf dem „platten Land“. Dort wäre die öffentliche Aufmerksamkeit natürlich wesentlich geringer, jedoch der praktische Nutzen immens höher.

Die Antwort von Jörg Welke, dem Projektmanager für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO, war mir dann allerdings etwas zu allgemein formuliert. Zwar sei die Schaffung von mehreren tausend Ladesäulen in Berlin und Brandenburg bis 2015 geplant und man würde sich durchaus Gedanken zu sinnvollen Standorten machen, konkrete Termine für die erste Versorgung von Raststätten oder Pastplätzen an Fernstraßen nannte er jedoch nicht.

Das wäre sicher auch schwierig, denn man sollte sich vor Augen halten, wie kompliziert die Schaffung eines solchen Ladepunktes in der Praxis ist. Technisch ist kein Problem vorhanden, dass nicht relativ einfach gelöst werden könnte. Jedoch sind vorher eine Menge rechtlicher Fragen zu klären und nicht zuletzt auch die Finanzierung.

Die genannten Kosten von rund €25.000 für eine Kombisäule mit CHAdeMo, CCS und Typ 2 mit 20 bzw. 22kW Leistung je Anschlussart sind eine Sache. Dieses Geld plus Unterhalt, Reparatur und Ersatz mit dem Betrieb der Säule wieder hereinzuholen, ist meines Erachtens nicht möglich. Dafür ist der Strom zu preiswert und selbst bei maximaler Auslastung wäre der notwendige Aufschlag allein zur Kostendeckung zu hoch. Von einem unmittelbaren wirtschaftlichen Gewinn ganz zu schweigen.

Ein wesentliches Problem wird jedoch das sehr aufwendige und teilweise vergebliche Bemühen sein, die beteiligten Eigentümer, Firmen und Behörden zu einer einvernehmlichen Lösung zu bewegen. Wenn der oder die Eigentümer sich sperren oder behördliche Genehmigungen an fehlenden Gesetzen und Verordnungen scheitern, kommen selbst gut gemeinte und fortschrittliche Projekte im Sinne der Gesellschaft nicht zur Ausführung. Guter Wille bei den Initiatoren reicht also nicht aus, die Politik muss sich auch um die juristischen Grundlagen kümmern.

In diese Richtung zielte auch die Antwort auf die Frage eines anderen Gastes, was man tun könnte, wenn eine Eigentümergemeinschaft der Installation von privater Ladetechnik nicht zustimmt. Immerhin ist dieses Problem offenbar auch aus Erfahrungen in den USA bekannt, wo entsprechende Gesetze diese Frage inzwischen lösen. Auch in Deutschland brauchen wir demnach dringend eine Anpassung des Wohnungseigentumsgesetzes (WEG-Gesetz oder WoEigG), damit die gesellschaftliche Aufgabe der Schaffung von Ladeinfrastruktur nicht von privaten Interessen blockiert wird.

Es bleibt also noch eine Menge für die Politik zu tun, um die wesentliche Grundlage für die Verbreitung elektrischer Fahrzeuge zu schaffen. Die Infrastruktur wird die Gesellschaft tragen müssen, so wie das beim Straßenbau auch der Fall ist. Initiativen wie die von Mitsubishi und vielen anderen Unternehmen und Verbänden sind zu begrüßen und zu fördern, aber die Aufgabe bleibt dennoch eine gesellschaftliche und hängt meiner Meinung nach eng mit der Umgestaltung der Energiewirtschaft zusammen.

Interesse und Interessenten

Aber nun bin ich abgeschweift. Ein Gedanke noch zu den Teilnehmern und Gästen des Events. Natürlich haben die an der Realisation der Veranstaltung beteiligten Firmen ihre Vertreter gesandt und auch die Presse war mit bild- und wortschaffenden Mitarbeitern anwesend.

Beim Gespräch mit anderen Teilnehmern zeigte sich für mich beinahe überraschend, dass fast alle sich beruflich und professionell mit Elektromobilität beschäftigen. Potenzielle Kunden oder einfach nur interessierte Bürger habe ich kaum wahrgenommen. Dennoch richtet sich die Botschaft nicht an die Profis. Vielmehr geht es um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Ein Schaufenster halt, das zeigt, dass die Elektromobilität als eine akzeptable und funktionierende Lösung im Straßenverkehr angekommen ist.

Und dies ist nicht nur der Erfolg der Unternehmen, die sich – völlig zu Recht und selbstverständlich – vor allem im Rahmen ihres Geschäftes mit dem Thema beschäftigen und engagieren. Man trifft auch Menschen, die sich seit vielen Jahren der Idee wegen mit Alternativen zu fossilen Betriebsstoffen beschäftigen und dafür einsetzen. Ihre Leistung und ihr Anteil an dem, was heute zum erklärten Ziel geworden ist, sollte nicht ohne Anerkennung bleiben.

Bisher völlig meiner Wahrnehmung entgangen ist zum Beispiel der „Bundesverband Solare Mobilität e.V.„, der sich seit 20 Jahren für „umweltverträgliche Verkehrssysteme und die Nutzung solarer Energien“ einsetzt.

So ist mein Fazit für diese Veranstaltung positiv: neben neuer Infrastruktur und einem interessanten Fahrzeug habe ich bekannte Gesichter wiedergesehen und neue Einblicke in die Arbeit weiterer engagierter Menschen bekommen.

Es tut sich offensichtlich mehr im Bereich der Elektromobilität als man vermutet.

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