„radioeins elektrisiert“ (updated)

(Update vom Juni 2015 siehe hier)

Seit 25.09.2014 beschäftigt sich RadioEins, einer der Radiosender des rbb, intensiv mit dem Thema Elektromobilität. Drei Wochen lang werden verschiedene Mitarbeiter mit den Fahrzeugen fahren und testen, wie sie damit im Alltag zurecht kommen.

Der BMW i3 macht den Anfang

Los ging es mit einem BMW i3, der von Julia Vismann, Volker Düspohl und dem „Autopapst“ Andreas Kessler bewegt und auf Herz und (Doppel)Nieren getestet wird. Volker Düspohls Fazit nach einer Woche klingt hin- und hergerissen: Einerseits beeindruckt ihn der ruhige Lauf und die starke Beschleunigung, auf der anderen Seite gibt es Unsicherheit, ob die Reichweite und die Lademöglichkeiten für einen „echten“ Einsatz ausreichen.

Natürlich hat auch hier das Konzept von BMW und VW (noch) seine Probleme. Die zum Schnellladen notwendigen Lademöglichkeiten sind quasi nicht existent, außer hier in der Stadt und an einem Autobahnabschnitt. Aber gerade wenn man mit dem Fahrzeug über Land unterwegs ist, kann man ohne schnellen Wechselstromlader eben nur sehr, sehr langsam laden.

Auch bei Fachpersonal gibt’s Irritationen

Zum Start berichteten Julia Vismann und Andreas Kessler ebenfalls über die neue rbb Stromtankstelle, die nun unter anderem von den Solarpanelen des Senders gespeist wird. Leider wurden in diesem Beitrag schon eine Menge Dinge durcheinander gebracht und nicht korrigiert: Wechselstrom und Gleichstrom, ein und drei Phasen, schnelles und normales Laden.

So kann der BMW an der betreffenden Säule zwar laden, aber eben nur sehr langsam, da er zum Schnellladen (bis 80%) in einer halben Stunde eine wesentlich teurere Gleichstromsäule bräuchte. An der rbb Stromtankstelle gibt es jedoch den in Europa für Elektroautos üblichen Wechselstrom. Und dafür hat der BMW eben nur ein einphasiges Ladegerät an Bord, das dort maximal mit etwas über 5kW laden darf. Da dauert es halt eine Weile, ähnlich wie an der Haushaltssteckdose, bis der Akku voll ist.

Dasselbe ist es mit den VWs, dem Nissan und den Mitsubishis, denn auch hier sind die integrierten Ladegeräte für Wechselstrom nur für maximal 7,2kW geeignet und dürfen aber an den Säulen eigentlich nur rund 5kW Leistung entnehmen.

Nur der Smart ED und die Renault ZOE sind in der Lage, die an den öffentlichen Wechselstromsäulen üblichen 22kW zu nutzen und können somit etwa in einer Stunde voll geladen werden, die ZOE an 43kW Säulen sogar in etwa einer halben Stunde (bis 80%). Mal sehen, ob diese Fahrzeuge auch zum Test kommen. Dass ein Tesla für seine enorme Reichweite und Leistung eben noch ganz andere Ladestationen braucht, wäre auch eine besonders hervorzuhebende Tatsache.

Jede Berichterstattung nützt

Fest steht aber eines: Je mehr über das Thema berichtet und getestet wird, desto eher wird sich die Elektromobilität entwickeln. Wer die Technik instinktiv ablehnt, und das sind nicht wenige, ist mit positiven Beurteilungen ohnehin nicht zu begeistern. Auch unter den Testern gibt es bekanntlich eine Gruppe, die die landläufigen Vorurteile durch entsprechende Fahrweise und Testbedingungen „beweist“.

Wer aber herausfinden möchte, ob das elektrische Fahren etwas für ihn persönlich bringt und vielleicht sogar schöner ist, kann das bei dieser Aktion selbst heraushören. Die Begeisterung für die Elektromobilität ist dem ganzen Team von rbb jedenfalls deutlich anzumerken. Wer die Sendereihe bisher versäumt hat, findet die extra gestaltete Website hier. Dort können auch die die Beiträge nachgehört werden (das wird sicherlich nicht ewig funktionieren…) und es gibt dort ebenfalls einen Blog, der auch Kommentare zulässt.

Viel Spaß dabei!

Nachtrag 11.01.2015

Tja, da war die Luft so schnell ‚raus, wie Ladung aus dem Akku bei Vollgas. Unter Umständen hat das mit dem überraschenden und höchst bedauerlichen Tod von Peter Radzuhn, dem allseits beliebten Musikchef von radioeins am 18.10.2014 zu tun. Das war offensichtlich ein Schock. Sicherlich haben die Kollegen des Senders dann erst einmal andere Dinge im Kopf gehabt.

Tatsache ist, dass leider beim „elektrisierten radioeins“ der Akku seit Ende Oktober offenbar leer ist. Nix mit Tests von Elektroautos. Irgendwo war sogar mal von einem Jahr die Rede, in dem man über die Elektromobilität verstärkt berichten wollte. Bis auf einige Fahrten verschiedener Nutzer mit dem i3 als das „erste von drei Elektrofahrzeugen“ und einen zugegebenermaßen ziemlich enthusiastischen Beitrag von Jens Riva über den probegefahrenen Ford Focus electric habe ich jedoch keine Berichte mehr gefunden.

Bezüglich einer „ordentlichen“ Berichterstattung hat mein Lieblings-Radiosender diesmal gelosed. Schade. Wenigstens ein Fazit oder eine Erklärung auf der Website wäre meines Erachtens professionell und wünschenswert gewesen. Von einer zeitnahen Pflege des Blogs einmal ganz abgesehen. Vielleicht lebt das Ganze ja im Frühjahr noch einmal auf. Man könnte inzwischen ja über so viele Modelle, Konzepte und Projekte reden, dass sogar eine wöchentliche Rubrik möglich wäre. Dann aber bitte mit etwas mehr Sachkenntnis, quer durch das Angebot an Fahrzeugen aller Hersteller und nicht nur auf die etwas naive Art „Wir fahren einfach los und schauen mal, was passiert…“.

Gerade für unsere Stadt ist die Elektromobilität ein wichtiges Thema – wenn auch nicht das wichtigste. Da halte ich es für einen öffentlich rechtlichen Sender für eine angemessene Aufgabe sich kritisch mit den den Zielen, den Möglichkeiten und der gesellschaftlichen Unterstützung dieser Entwicklung zu beschäftigen – und sie dadurch eventuell sogar günstig zu beeinflussen.

„Alles, was noch nicht gewesen ist, ist Zukunft, wenn es nicht gerade jetzt ist.“ Ja, das sagt ganz richtig eine bekannte Deutsche Spitzenpolitikerin. Elektromobilität ist dann wohl Zukunft, denn sie war ja noch nicht und jetzt ist sie irgendwie auch noch nicht…

Oder so ähnlich. Oder nicht? Aber wann geht es denn nun richtig los?

Auf ein Neues: Autotausch 2015

Anfang Juni berichtet radioeins wieder über eine neue Aktion, bei der Autofahrer ihren Verbrenner für 10 Tage gegen ein Elektroauto tauschen können. Die eMO hat dies offenbar initiiert und sich der Mitarbeit von Medien und vielen Herstellern versichert. Endlich kommt mehr als nur eine Marke und ein Modell ins Gespräch. Die Aktion läuft vom 1. Juni bis zum 31. Oktober. Man darf gespannt sein…

Mitlesen und hören kann man bei radioeins und im speziell für die Aktion eingerichteten Blog der EMo.

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