ZOE 2014: Ein Rückblick

Rückblick nach vorn
Rückblick nach vorn

Allen Besuchern dieses Blogs wünsche ich ein gesundes, schönes und erfolgreiches Jahr 2015!

Üblicherweise bringt das letzte Quartal immer viel Arbeit mit sich und so ist der letzte Beitrag eine ganze Weile her. Aber die Gelegenheit ist gut, mal wieder ein paar Zeilen zu schreiben und ein kleines Resümee zu den Erfahrungen der ersten 8 Monate mit dem Elektroauto zu verfassen.

Täuschung und Ent-Täuschung

Das vergangene Jahr hat bezüglich der Elektromobilität viel Neues gebracht, auch wenn sich zum Ende hin die öffentliche Wahrnehmung und Diskussion meines Erachtens deutlich reduziert hat. Ein Grund mögen viele andere Themen sein, die die Menschen gesellschaftlich und privat beschäftigen. Ich sehe aber auch, dass sich vor allem einige Medien zunächst sehr euphorisch mit Elektroautos beschäftigt haben – und dann ihre häufig naiven Vorstellungen enttäuscht sahen. Der Enttäuschung folgte dann eine eher negative und oft unsachliche Kritik bezüglich der Fahrzeuge.

Viele Autohersteller haben 2014 Fahrzeuge mit Elektroantrieb auf dem Markt, denen unterschiedliche Konzepte und Strategien zu Grunde liegen. Allen gemein ist, dass sie einen Kompromiss darstellen, der Alltagstauglichkeit mit einem für die Zielgruppe (noch) akzeptablen Preis verbinden muss. Die grundlegende Frage, die zum Beispiel BMW in seiner Werbung für den i3 stellt, ist: Passt die E-Mobilität zu Ihrem Leben? Die Antwort darauf könnten viele Autofahrer mit einem klaren Ja beantworten, vor allem, wenn am Stellplatz des Fahrzeugs ein Stromanschluss möglich ist.

Die Wünsche und Vorstellungen sind oft aber andere: der Konsument träumt von einem preiswerten Elektroauto, das so weit und schnell fahren kann, wie ein Verbrenner, und das sich ebenso schnell und unkompliziert mit neuer Energie versorgen lässt. Und die Politik erwartet weiterhin ebenso blauäugig, dass ein Markt, der sich sehr erfolgreich auf einen fossilen Energieträger und dessen Infrastruktur eingestellt hat, gegen alle betriebswirtschaftlichen Grundsätze einer neuen und schwierigen Aufgabe zuwendet, ohne dazu gezwungen zu sein.

Beides wird sich auch im kommenden Jahr nicht erfüllen lassen. Wer sich jedoch realistisch mit der Elektromobilität beschäftigt und für sich darin einen praktikablen Weg sieht, wird auch die vielen Vorteile der Elektroautos schon mit heutigen Modellen nutzen können – und eine Menge Spaß damit haben.

Rückspiegel

Die Entscheidung für ein Elektroauto – und besonders für die ZOE – hat sich für mich als IT-Dienstleister jedenfalls ebenso als richtig und erfolgreich erwiesen, wie als privater Autofahrer. Ich habe rund 7.500km zurückgelegt, etwa 70% davon in Stadt und Umland, und dabei an der eigenen Ladestation etwa 1050 kWh Naturstrom geladen. Dafür sind laufende Kosten von etwa €300 entstanden.
Hinzu kamen einige Kilowattstunden an öffentlichen Ladestationen und privaten Stromanschlüssen auf Reisen, längeren Fahrten ins Umland und zum Testen.

Ganz selten wurde im Alltag unterwegs geladen, um die Reichweite zu verlängern. Wirklich zwingend notwendig war es jedoch nie. Ich bin bzw. wäre immer mit einem Rest von 35-40km zu Hause angekommen. Nur zwei Mal waren es 15km bzw. sogar nur 8km Restreichweite, weil ich am Zielort keine Möglichkeit zum Laden hatte. Er lag rund 75km entfernt und bei der zweiten Fahrt gab es dort einen Temperatursturz mit Bodenfrost. Da musste ich bei der Rückfahrt schon sehr sparsam sein, um zu Hause anzukommen, hätte aber auch bereits früher zur Not einen Ladestopp einlegen können.

Das Auto selbst hat alle Anforderungen erfüllt und sich als verlässlich erwiesen. An der ZOE sind keinerlei Defekte aufgetreten und ihr Konzept hat sich in allen Bereichen als hervorragend bewiesen:

Ausreichend Transportkapazität und gute Innenabmessungen, um mehrere Fahrgäste und gleichzeitig auch Gegenstände wie Werkzeuge und Geräte oder auch gelegentlich Baumaterial, einen Rollstuhl oder ein größeres Teleskop bequem zu befördern.

Wendigkeit, Dynamik und kompakte Maße, um im Stadtverkehr Spaß zu haben und enge Parklücken und Einfahrten problemlos meistern zu können.

Gute Reichweite und schnelles Laden auf längeren Fahrten über Land. Dabei lag die angezeigte Reichweite bei etwa 160km bis zu 185km. Zum Beispiel beim Laden nach ca. 135km Fahrt über die Landstraße war nach 55 Minuten der Akku auf 100% und die Weiterfahrt möglich.

Ordentliche Reisegeschwindigkeit auch beim Fahren über Autobahnen, wobei die Reichweite bei 120km/h bis 130km/h dann natürlich entsprechend geringer wird. Das ließ sich aber verlässlich mit der Reichweitenanzeige planen und gut von Fall zu Fall anpassen.

Hervorragendes Navi als Teil der Bordelektronik, das hilfreiche Informationen liefert, sowohl auf bekannten Strecken durch Optimierung des Weges bei Verkehrsstörungen, als auch auf längeren Routen mit für die Reichweite optimiertem Profil. Einige Bedienungsschritte und Funktionen des Bordcomputers erfordern jedoch weiterhin Verbesserung. Dies ist in einigen Fällen durch Updates der Software bereits geschehen und bei heutigen „rollenden Computern“ auch nicht ungewöhnlich.

Winterbetrieb problemlos

Die Heizung ist wirkungsvoll und sorgt schnell für angenehme Temperaturen. Durch die Wärmepumpe bleibt der Stromverbrauch im erwarteten Rahmen. Sicherlich war der Winter bisher mild, aber große Unterschiede beim Energieverbrauch für das Heizen fielen zwischen +4 Grad und -4 Grad jedenfalls nicht auf. Die Dauer der jeweiligen Fahrt sorgt für eine auffälligere Wirkung auf die Reichweite. Bei längeren Fahrten muss die Temperatur nur einmal erreicht und dann gehalten werden. Das führt zu vermutlichen Reichweiten um die 100 bis 120km. Bei Kurzstrecken in der Stadt kühlt der Innenraum jedoch immer wieder vollständig ab, was sich auf eine weiter reduzierte Reichweite von 80 bis 100km auswirkt.

Das Fahren auf Schnee und glatter Straße ist ebenfalls erfreulich unkompliziert, vor allem bei Aktivierung des ECO-Modus. Die ZOE lässt sich dann dank des reduzierten Drehmoments gut beschleunigen und durch die Rekuperation leicht kontrollieren. Wie viel die gewählten Winterreifen dabei ausmachen, kann ich schwer sagen. Jedenfalls hatte ich wegen des relativ hohen Gewichtes und des hohen Drehmoments eher mit Problemen gerechnet, wurde aber sehr angenehm enttäuscht.

Das Fazit für „2014 elektrisch“

Wirtschaftlichkeit und Reichweite sind nicht nur eine Frage des Produktes „Elektroauto“, sondern auch und vor allem der Infrastruktur zum Laden und deren politischer Förderung. Das öffentliche Schnellladen an Fernstraßen würde den Nutzen eines heute üblichen Elektroautos über die einfache Reichweite des Akkus hinaus erhöhen und die Akzeptanz erweitern. Eine derartige preiswerte Infrastruktur sollte also gesellschaftlich ge- und befördert werden. Das würde auch den Autoherstellern das Signal vermiteln, Ihre Produkte besser darauf einzustellen. Konzepte, die auf teure Infrastruktur zum Schnelladen setzen sind zwar technisch weiter gedacht, behindern aber die schnellere Verbreitung der Technologie auf der Basis der existierenden Energietechnik.

Wenn die Gesellschaft also eine Veränderung hin zu erneuerbaren Energien als Quelle für eine große Zahl von Fahrzeugen wünscht, muss sie die Elektromobilität eine zeitlang finanziell fördern und gesetzlich unterstützen. Nur so können die Belastungen für Käufer derzeit noch teurerer Elektrofahrzeuge reduziert, die Schaffung privater Ladeinfrastruktur erleichtert und somit die Verbreitung beschleunigt werden.

Ein Elektroauto hat innerhalb seiner einfachen Reichweite aber schon jetzt erhebliche Vorteile und Annehmlichkeiten gegenüber dem Verbrenner, besonders wenn es am nächtlichen Standort problemlos geladen werden kann. Die Technik ist vor allem auf der mechanischen Seite sehr unkompliziert und daher äußerst wartungsarm. Die Bedienung und auch das Fahren ist sehr einfach und bequem. Wer sich an Smartphones heranwagt, kommt auch mit den elektronischen Bedienelementen eines Elektrofahrzeuges gut zurecht. Das Laden an eigener Infrastruktur ist verlässlich und unkompliziert, an öffentlichen Ladesäulen kann die Situation aber unerwartet schwierig sein und mehr Aufwand erfordern. In der Regel stellt das aber schon nach kurzer Zeit kein Problem dar.

Die Erwartungen, das Nutzungsprofil und die Motivation sind meines Erachtens die wesentlichen Faktoren dafür, ob ein Elektroauto für einen Benutzer eine schöne neue Erfahrung mit Suchtpotenzial ist oder ein absolutes Desaster wird. Wer schon beim Einschalten der Deckenbeleuchtung an die Grenzen seines technischen Verständnisses gerät, täglich 2000km am Stück zurücklegen muss und glaubt, dass man die Energie für diese Strecke in einer halben Stunde am Zigarettenanzünder eines anderen Autos beziehen kann, wird von der Realität wohl nicht begeistert sein. Er sollte sich diese für ihn unangenehme Erfahrung sparen.

Wer dagegen sauber und leise unterwegs sein möchte, dabei in der Regel täglich Strecken bis zu 120km fährt und zu Hause am Stellplatz aufladen kann, der findet schon heute ein geeignetes Fahrzeug und wird an der Technik und deren Verwendung sicherlich auch viel Spaß haben.

In diesem Sinne nochmals allen ein schönes – und vielleicht elektromobiles – 2015!

2 thoughts on “ZOE 2014: Ein Rückblick”

    1. Hi Addi,

      ich fürchte dreiphasig für um die €500, also mit 11 bis 22 kW, wirst du nichts finden. Allein der Schutzschalter FI Typ B kostet m. W. so um die €400 und mehr. Ohne diesen würde ich keinen dreiphasigen Lader an der ZOE betreiben. Also sind mobile Ladeboxen dieser Leistung und inklusive FI Typ B erst ab etwa €1.100 aufwärts zu haben: z. B. Bettermann B3200N (siehe http://www.leschner-bettermann.de/) oder die CrOhm-Box EVSE1M40 (Hier ein guter Erfahrungsbericht dazu: http://zoepionierin.de/die-ladesaule-fur-den-kofferraum/).

      Für um die €500 bekommst du einphasige mobile Ladetechnik, also das berühmte Notladekabel mit bis zu 13A, also etwa 2,8kW. Etwas preiswerter geht es mit dem Siemens CC100A, etwas teurer mit dem Mennekes 35076. Letzteres bietet durch den blauen CEE-Stecker aber auch die Möglichkeit 16A, also 3,7kW, zu laden.

      Lies bitte aber auch mal über meine Erfahrungen mit diesen Kabeln in: http://zoemobil.de/?p=730 oder http://zoemobil.de/?p=672.

      Eine sehr umfangreiche Übersicht zu allen mobilen Ladeboxen und -kabeln findest du hier: http://www.goingelectric.de/wiki/%C3%9Cbersicht:_AC_-_mobile_Ladeboxen_und_ICCB_Ladel%C3%B6sungen_f%C3%BCr_Typ1%2B2

      Ich hoffe, das hilft dir etwas weiter. Viele Grüße, Matthias

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