Ladekarten-Quartett: Wege zum Strom

Karten & App zum Bezahlen
Karten & App zum Bezahlen

Ladesäulen lassen sich natürlich nicht umsonst installieren und Strom kann man nicht ewig kostenlos anbieten. Für einige Anbieter macht es noch Sinn und ist eine recht preiswerte Imagewerbung. Für manche gehört umweltbewusstes Handeln und dessen Förderung ohnehin zur Firmenphilosophie. Aber vermutlich ist es mit dem kostenlosen Strom spätestens dann vorbei, wenn die Zahl der E-Autos steigt und die Ladesäulen intensiver genutzt werden.

Unterwegs eine verlässliche Stromquelle zu haben, ist meiner Meinung nach eine Grundvoraussetzung für die Elektromobilität. Eine freie Säule zu finden ist dabei eine Aufgabe, dort auch die Berechtigung zum Laden zu haben, eine andere.

Herr Ober, zahlen bitte!

Die Ladelandschaft ist aktuell einer ständigen Veränderung unterworfen. Es gibt natürlich immer noch kostenlose Lademöglichkeiten. Aber die überwiegende Zahl der Säulen wird gewerblich betrieben und will bezahlt werden. Nur, wie ist der Kunde identifizierbar? Wieviel Vorbereitung braucht man und wo ist es am günstigsten, wenn eine Auswahl besteht?

Schon in den vier Wochen meines persönlichen Werdegangs zum selbsternannten Elektromobilitätsexperten hat sich einiges verändert. Neue Kooperationen wurden geschlossen, die Bezahlmöglichkeiten ausgedehnt. Einige Angebote waren von Anfang an recht klar, andere sind komplizierter oder neu dazugekommen. Ich fasse mal zusammen, was ich darüber inzwischen weiß, wie man unterwegs an Strom kommt, wie man bezahlt und was er kostet:

RWE eMOBILITY

Für RWEs Angebot nutzt man am besten ein Smartphone. Damit und der App „e-kWh“ kann man die Ladesäulen finden, ihren Zustand feststellen und zum Beispiel einen Ladevorgang mit 11kW per SMS bezahlen. Eine Stunde Laden kostet auf diese Weise rund €4. Das entspricht etwa 36 Cent pro kWh.

Zunächst schließt man z. B. das Auto an, wählt dann in der App „Ladevorgang starten“, gibt die Nummer des Ladepunktes ein, wählt die gewünschte Ladedauer und sendet die dadurch generierte SMS ab. Man erhält dann eine Zusammenfassung der Eingabe und der Kosten, die man mit JA bestätigen muss. Kurze Zeit später startet der Ladevorgang. Noch ein Tipp: Bei meinem ersten Ladeversuch hat es sich herausgestelt, dass im Menü der App unter Einstellungen -> Fahrzeugdaten die „Vorab-Authentifizierung“ ausgeschaltet sein muss.

Mit Vertrag heißt das Produkt RWE ePOWER BASIC und man ist monatlich schon mal rund €5 als Grundgebühr los. Die kWh kostet dann 30 Cent. Welche Ladesäulen man für beide Bezahlverfahren nutzen kann, zeigt einem dieselbe App oder auch ein Ladesäulenfinder auf der WebSite.

Ladenetz.de und Kooperationspartner, hier: Vattenfall

An die Ladekarte eines Partners von Ladenetz.de zu kommen, dürfte sich in jeder Region etwas anders darstellen und unterschiedliche Kosten verursachen. Einfach mal die Website von Ladenetz.de ansehen und eventuell erst einmal das nächstliegende Stadwerk bzw. den Netzbetreiber ansprechen. Das gilt natürlich ebenfalls für die Kooperationspartner bzw. Roamingpartner (Liste unter der Karte).

Für mich ist der Netzbetreiber Vattenfall. Deren Mitarbeiter Herr P. erklärte mir, dass ich nach Vertragsabschluss mit der Vattenfall-Karte an allen Säulen von Vattenfall in Berlin und Hamburg, sowie den Ladestellen von Ladenetz.de und deren Partnern zum vereinbarten Tarif laden kann. Das sind bei Vattenfall eMobility für den Tarif „E-Mobil Ladekarte Natur Privatstrom für Berlin“ monatlich rund €3 und je kWh rund 27 Cent.

Vermutlich könnte sich bei unterschiedlich teuren Tarifen ein gewisser Wettbewerb unter den Kooperationspartnern entwickeln, wenn man wie beim Hausstrom, seinen Vertragspartner auch überregional wählen könnte. Ich denke, die Absage aus Brühl (siehe den Beitrag „Lademöglichkeiten – Beispiel Berlin„) hatte genau diesen Hintergrund. Da wollte ich ganz schlau eine Karte zum kostenlosen Laden von den Stadwerken Brühl und dann hier in Berlin den Strom an Vattenfall-Ladesäulen umsonst abzocken. Mist. Abgeblitzt.

Ein ganz nettes Filmchen zeigt übrigens, wie so ein Ladevorgang bei Vattenfalls Säulen ablaufen kann.

TheNewMotion

Eine Alternative zum Kontrakt mit einem Stadtwerk oder regionalem Versorger bietet schon heute das Angebot von TheNewMotion – wenn es denn in der Praxis auch funktioniert. Mit der LoveToLoad-Ladekarte soll das Laden an allen Ladesäulen der Kooperationspartner möglich sein. Das sind immerhin Ladenetz.de mit allen Kooperationspartnern und die meisten Niederländischen und Belgischen Anbieter.

Die LoveToLoad-Ladekarte ist kostenlos, der Strom wird nach Ladezeit abgerechnet. Bevor man mit der Karte laden kann, scheint man sie allerdings erst einmal aktivieren zu müssen.

Für eine Stunde Normalladen mit 3,7 kW bezahlt man €1 und bekommt somit ein Kilowatt für etwa 27,5 Cent. Schnelladen kostet zusätzlich etwas. Auf jeden Fall €2,50 und dann €0,25 je Minute. Nur bei 44 kW käme da also ein nachvollziehbarer Preis für die kWh heraus, nämlich etwa 34 Cent.

Da mir noch nicht alle Details zum Tarif von TheNewMotion ganz klar sind, habe ich dort erst noch einmal nachgefragt. Die genannten Angaben sind also erst einmal mit Vorsicht zu genießen. Einen persönlichen Eindruck erhält man auf der Website von TheNewMotion, wo man auch eine Übersichtskarte findet. Unter dem Menüpunkt Sprache kann man übrigens auch die Niederländischen oder Belgischen Ladepunkte anzeigen lassen.

Es gibt ebenfalls eine App, die durch die Roamingpartner sehr viele Ladepunkte und die Route dorthin zeigen kann. Leider gibt sie keinerlei Information über den Betreiber und die Leistung der Säulen, oder ihre Verfügbarkeit preis. Man kann lediglich in den Einstellungen Filter setzen und sich z. B. nur freie Säulen mit Schnelladefähigkeit anzeigen lassen.

Alle eigenen Ladekarten, Ladevorgänge und die entsprechenden Rechnungen kann man übrigens auf einer Website online einsehen.

Welches ist der beste Weg?

Soll man sich nun auf einen Versorger beschränken oder eine Karte verwenden, die mehrere Anbieter unter einen Hut bringt?

Meines Erachtens laufen die Bestrebungen aller Beteiligten auf dasselbe Ziel hinaus: Möglichst viele Ladesäulen mit einem Verfahren zugänglich und die entnommene Leistung abrechenbar zu machen. Das kann zum einen von den Versorgern ausgehen, die sich zu Kooperationen zusammenschließen. Zum anderen zeigen Initiativen wie von TheNewMotion, dass man auch die Logistik für die Abrechnung und Komponenten für Ladeinfrastruktur zum Unternehmensziel machen kann.

Da man in der Regel wohl in seiner Region bleiben wird, ist eine regionaler Anbieter vermutlich keine so schlechte Idee. In meinem Fall wäre das Vattenfall, wenn sie ein paar mehr allgemein zugängliche Säulen hätten. Für mich sind sie allerdings dennoch interessant, da mir mit ihrer Ladekarte nun automatisch auch das Ladenetz.de zur Verfügung steht. Und das zu ganz ansehnlichen Konditionen: €36 im Jahr Grundgbühr und 27 Cent je kWh unabhängig von der Ladeleistung. ZOEs Akku ist dann sehr schnell wieder voll, wenn es mal sein muss. Mal sehen, wie sich der Wettbewerb in diesem Verbund entwickelt.

Die RWE bieten in Berlin nun mal die meisten Säulen an. Ihr Tarif ist mit €60 im Jahr und 30 Cent je kWh recht teurer. Immerhin munkelt man über eine Flatrate von Stadtwerken im Ladenetz um die €50! Dafür werden RWEs Säulen aber mit Halteverboten frei gehalten und sind in Berlin daher relativ gut zugänglich. Auch ohne Vertrag und Grundgebühr kann man hier Strom zapfen und mit SMS bezahlen. Das halte ich für sehr hilfreich, da man ohne große Vorbereitung z. B. für seine erste elektrische Probefahrt eine Lademöglichkeit bekommt.

LoveToLoad scheint mir jedoch zunehmend interessanter zu werden. Man vermeidet eine oder sogar mehrere Grundgebühren und hat dennoch Zugang zu allen Säulen. Dadurch ist der etwas höhere Preis je kWh vertretbar und rechnet sich vermutlich insbesonders bei seltener Nutzung öffentlicher Säulen. Man muss nun sehen, wie verlässlich das Ganze in der Praxis funktioniert, denn es ist ja eine ganze Menge Kommunikationstechnik daran beteiligt. Da kann schon mal etwas schief gehen und ich hätte lieber noch Plan B in der Tasche.

Sicherlich wird sich in 2014 eine Menge in dieser Richtung verändern und ich werde versuchen, das hier entsprechend festzuhalten.

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